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Diocletian
(wikipedia-Artikel s.u.)
Diokletian, vollständiger Name Gaius Aurelius Valerius Diocletianus (* ca. 240 in Dalmatien, † ca. 316 in Salona) war von 284 bis 305 Römischer Kaiser.
Mit ihm wird in der modernen Forschung das Ende der Zeit der Soldatenkaiser und der Beginn der Spätantike festgesetzt.
Diokletian (eigentlicher Name Diocles) stammte aus einfachsten Verhältnissen aus Illyrien und hatte sich in der Armee bis zum Befehlshaber der Gardeeinheit protectores domestici hochgedient, die ihn 284 zum römischen Kaiser ausrief. Im Frühling 285 vernichtete er das Heer des Kaisers Carinus, des älteren Bruders und Mitkaisers seines Vorgängers Numerian. Mit dessen Tod war Diokletian der unbestrittene Herrscher des Imperiums geworden - und sah sich mit dessen Problemen konfrontiert.
Das Römische Reich wurde zum damaligen Zeitpunkt von einer Reihe von Krisen heimgesucht; vor allem die außenpolitische Lage war bedenklich, zumal ein Herrscher alleine unmöglich an allen Brennpunkten gleichzeitig sein konnte. Diokletian reagierte auf diese Probleme, indem er das Herrschaftssystem der Tetrarchie einrichtete, bei dem zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Unterkaiser (Caesares) über einen jeweils eigenen Reichsteil herrschten, Gesetze jedoch im Namen des gesamten Kollegiums erlassen wurden.
Am 21. Juli 285 ernannte er seinen alten Kameraden Maximian zum Caesar, am 1. April 286 zum Augustus. Maximian sollte im Westen herrschen, während Diokletian den Osten als sein Betätigungsfeld wählte. Allerdings blieb Diokletian der Seniorpartner. Er nahm den Namen Iovius an (etwa gleichbedeutend mit der Abkunft von dem Gott Jupiter), während Maximian sich Herculius nannte. Somit war das Kaisertum auch sakral zementiert, wobei Diokletian seine Führungsrolle betonte.
Allerdings wird in der neueren Forschung betont, dass dieses System keinesfalls als Bruch mit dem altrömischen System betrachtet werden darf; vielmehr versuchte Diokletian ja eben dieses System zu bewahren und nur auf ein neues Fundament zu stellen. Der Vorwurf, Diokletian habe das Prinzip begründet, dass der Kaiser dominus et deus (Herr und Gott) sei, ist so nicht korrekt, da die Anrede bereits früher auftaucht. Richtig ist aber, dass Diokletian die sakrale Würde des Kaisers betonte sowie dessen absoluten Herrschaftsanspruch.
293 wurden zwei Caesares als Unterkaiser ernannt: Constantius Chlorus für den Westen, Galerius für den Osten. Beide wurden von den Augusti adoptiert. Die Wahl war praktischer Natur gewesen: beide waren erfahrene Soldaten und konnten ihre Aufgabe, die Sicherung der Außengrenzen des Reiches, mit Bravour erfüllen. Konstantin, der Sohn des Constantius, sollte schließlich das System der Tetrarchie beenden und wieder zum dynastischen Prinzip zurückkehren.
Galerius ging schließlich gegen die Sassaniden im Osten vor und konnte sie, nach einem kleinen Rückschlag, 297 vernichtend schlagen, während Diokletian zwei Erhebungen in Ägypten niederschlug. Insgesamt hatte sich das System der Tetrachie also bewährt; es war ein großer Erfolg, nachdem das Reich im vorausgehenden halben Jahrhundert im Durchschnitt alle zweieinhalb Jahre einen neuen Kaiser gesehen hatte und ständig am Rande des Bürgerkriegs schwebte und sich der außenpolitischen Gefahren nur mit Mühe hatte erwehren können. Und auch am Rhein konnten Erfolge verbucht werden, so etwa gegen die Alemannen, Franken und andere germanische Stämme.
Diokletian veranlasste weitreichende Reformen. Unter anderem wurden in einer Verwaltungsreform die Provinzen verkleinert, dafür aber deren Anzahl deutlich erhöht und das System der Diözesen eingeführt. Auch das neue Steuersystem der capitatio-iugatio wurde eingeführt. Es kam ebenfalls zu einer stärkeren Bindung der Bauern an ihr Land (Schollenbindung), was auch zu Aufständen der Bagauden führte. Insgesamt kam es zu einem erhöhten Steuerdruck und einer Zentralisierung und Bürokratisierung der Verwaltung, die völlig untypisch für den Prinzipat gewesen ist, weshalb man auch der Spätantike insgesamt das Etikett eines "Zwangsstaates" aufprägen wollte (Dominat), was aber in dieser Schärfe nicht haltbar ist. Die Reformen sollten vor allem eine bessere Verwaltung und fließende Steuereinnahmen garantieren, ohne die an eine Sicherung des Reiches nicht zu denken war.
Auch das Heer wurde reformiert: die Anzahl der Legionen wurde stark erhöht, allerdings gleichzeitig ihre Mannschaftsstärke reduziert. Zudem baute Diokletian den Anteil des Bewegungsheeres (Comitatenses) aus.
All diese Reformen brachten Diokletian den Ruf ein, der große Reformator des römischen Staates gewesen zu sein, der das Reich nach der Reichskrise des 3. Jahrhunderts wieder stabilisierte. Dieses Lob gebührt ihm zu Recht: seine Verwaltungsreform war bahnbrechend und schuf die Grundlage für den spätantiken römischen Staat. Allerdings ging es ihm nicht darum, etwas völlig Neues zu schaffen, sondern eben das Alte auf eine neue Grundlage zu stellen.
Auf einem Gebiet musste Diokletian allerdings eine Niederlage hinnehmen: Der Inflation stellte Diokletian sein Höchstpreisedikt entgegen, das ohne Erfolg blieb, aber heute eine wichtige Quelle für die Wirtschaftsgeschichte der Spätantike ist. In diesem Zusammenhang sind auch die Münzreformen des Diokletian zu sehen (293 und 301).
Im Jahr 303 leitete Diokletian die letzte und brutalste Welle der römischen Christenverfolgung ein. Die Christenverfolgung war auch der politischen Theologie der Tetrarchie geschuldet, die einen Glauben wie das Christentum, das ja einen Ausschließlichkeitsanspruch vertrat, nicht akzeptieren konnte. Die Verfolgung sollte bis 311 andauern und letztlich mit der Anerkennung des Christentums enden, als sich herausstellte, dass es sich nicht ausrotten ließ.
Nach Diokletians Rückzug ins Privatleben im Jahre 305 - er war der einzige römische Kaiser, der freiwillig aus dem Amt schied - stellte sich heraus, dass das System der Tetrarchie nur von seiner Autorität zusammengehalten worden war. Im Jahre 308 musste Diokletian noch einmal in die Politik eingreifen: In Carnuntum fand unter seinem Vorsitz ein Kaiserkongress zwischen Maximian und Galerius statt, um die ausgebrochenen Streitigkeiten zu beenden, doch ohne Erfolg. Die Nachfolger führten in den folgenden Jahren mehrere Bürgerkriege, bis sich 324 mit Konstantin wieder ein einziger Kaiser durchsetzen konnte.
Diokletian verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in einem riesigen Palast, den er in der Nähe seines Geburtsortes Aspalthos in Dalmatien bauen ließ.
Literatur
Wolfgang Kuhoff: Diokletian und die Epoche der Tetrarchie. Das römische Reich zwischen Krisenbewältigung und Neuaufbau (284-313 n. Chr.), Frankfurt am Main 2001. ISBN 3-631-36792-9 Umfangreiche, aber schwer lesbare Darstellung.
William Seston: Diocletien et la tetrarchie, Paris 1946. Ältere Studie, dennoch lesenswert.
Alexander Demandt: Geschichte der Spätantike, Sonderausgabe, München 1998, S. 30 ff. ISBN 3-406-44107-6 Knappe und gut lesbare Zusammenfassung.
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