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Weimarer Klassik
Schiller besann sich 1793 auf seine Heimat und reiste mit seiner Frau Charlotte nach Württemberg. Seine Sorge, dass Herzog Carl Eugen etwas gegen ihn unternehmen würde, war unbegründet. Carl Eugen verstarb am 10. Dezember 1793.
Während seiner Reise durch die Heimat kam Schillers Sohn Carl Friedrich Ludwig am 14. Oktober 1793 zur Welt. In diesen Monaten, die im Winter von Krankheit gezeichnet waren, traf Schiller mit alten Bekannten zusammen. Er begegnete wieder Charlotte von Kalb und vermittelte ihr Friedrich Hölderlin als Hofmeister.
Schillers Reise endete in Stuttgart. Hier beeindruckte er die Bürger der Stadt. Aus dieser Zeit stammen zwei Porträts Schillers, die den Dichter der Nachwelt eindrucksvoll überlieferten. Ludovike Simanovic malte den Dichter, und Johann Heinrich Dannecker schuf die später weltbekannt werdende Marmorbüste.
Das Verhältnis zwischen Goethe und Schiller war in diesen Jahren durch gegenseitige Missachtung geprägt. Beide hatte zu unterschiedliche Auffassungen in Literatur und Philosophie. Schiller bezeichnete Goethe als einen selbstgefälligen Egoisten, dem alles zufiele. Schiller beklagte dagegen,, dass er selbst immer noch um Anerkennung kämpfen müsse. Auch Goethe erwiderte die Abneigung, die Schiller ihm entgegenbrachte.
Diese Abneigung wandelte sich im Laufe mehrerer Treffen zu einer gegenseitigen Achtung, die für die deutsche Literatur so bedeutsam werden sollte. Schillers Geburtstagsbrief vom 23. August 1794 an Goethe sollte der Anfang einer Epoche werden. Schiller sah sich nun nicht mehr als Neider Goethes. Er wurde zum gleichberechtigten Partner, der nun Rat und Tat leistete und empfing.
Schiller plante in diesen Monaten die Herausgabe einer Zeitschrift, die die bedeutendsten deutschen Dichter als Mitarbeiter beschäftigen sollte. Unterstützung fand Schiller bei dem Verleger Johann Friedrich Cotta.
Doch es stellte sich kein langfristiger Erfolg für “Die Horen” ein. Die Beiträge wurden vom Leser als zu “schwer” empfunden, und viele Dichter lieferten nur unregelmäßig oder gar keine Beiträge. Der dadurch entstehende literarische Disput mit ihren Kritikern veranlasste die beiden Weimarer Dichter sich in verschiedenen Gattungen der Literatur zu versuchen. Nach drei Jahren wurde das Erscheinen der Zeitschrift eingestellt.
Schiller hatte mit seinen periodischen Publikationen wenig anhaltenden Erfolg. Das bewies auch sein “Musenalmanach” der seit 1796 jedes Jahr erschien. Obwohl er auch hier eigene Werke veröffentlichte, war er mit den Gedichten der anderen Autoren häufig unzufrieden. 1800 erschien die letzte Ausgabe.
Trotzdem bildeten diese beiden Periodika einen literarischen Höhepunkt. Hier erschienen zunächst die Gedichte Schillers aus dieser Zeit zum ersten Mal. Endlich wurde Schiller vom Publikum als herausragender Dichter Deutschlands anerkannt und gefeiert. Schillers Balladen gehörten fortan zum Kulturgut des deutschen Bürgertums. Schiller suchte dabei nicht unbedingt die Volksnähe seiner Lyrik. Er experimentierte in seinen einfühlsamen und philosophischen Gedichten mit neuen Versformen.
Die Einnahmen Schillers vermehrten sich in diesen Jahren beträchtlich und erlaubten ein Leben im Wohlstand. Nur seine angegriffene Gesundheit trübte immer wieder seinen Alltag.
Neben der Freundschaft zu Goethe pflegte Schiller weiter engen Kontakt zu Christian Gottfried Körner, mit dem er einen regen Briefwechsel führte. Zu dem Kreis seiner Freunde gehörte auch Wilhelm von Humboldt. Dieser wurde zu einem kritisch-hilfreichen Betrachter der Werke Schillers.
Das Verhältnis zu Goethe wurden im Laufe der Jahre so intensiv, dass Schiller seine Kontakte zu langjährigen Weggefährten abbrach. Deren Werke waren in Schillers Augen bedeutungslos geworden, wenn man sie mit Goethes Schriften verglich. So endete die Zeit mit Herder, Fichte, Schlegel, Hölderlin u.a. an der Überheblichkeit Schillers. Auch Goethe entwickelte in diesen Jahren herbe Kritik über die Texte anderer Künstler. Schiller und Goethe sprachen vom Dilletantismus, der in der Literatur vorherrsche. Ironie der Geschichte: die Weimarer Klassik gilt später als eine der bedeutendsten Epochen in der deutschen Literatur.
Schiller beschäftigte sich bei seinen Studien über den Dreißigjährigen Krieg auch mit dem Feldherrn Wallenstein. Die historische Figur reizte Schiller zu einem Drama. Doch wie Goethe mit seinem “Faust” jahrelang beschäftigt war, so brauchte Schiller über zehn Jahre, um seinen “Wallenstein” zu vollenden. Zahllose Planungen und Bearbeitungen ließen ein Theaterstück von gewaltigen Umfang entstehen.
Schiller vespürte bei seinen Theaterstücken zunächst die Verpflichtung, ein historisches Thema zu finden. Eine Handlung frei zu erfinden, kam ihm zunähst nicht in den Sinn. Nach “Wallenstein” revidierte Schiller diese Vorstellung etwas. Mit “Maria Stuart” nahm er zwar wieder ein historisches Ereignis, doch er gestaltete das Geschehen nach eigenem Ermessen.
In Schillers letzten Jahren erlebten mehrere Dramen ihre Premieren, die später Weltruhm erlangten. Nach “Wallenstein” und “Maria Stuart” folgte 1801 “Die Jungfrau von Orleans”. Waren die beiden vorherigen Stücke von einem düsteren Ausgang geprägt, war “Die Jungfrau von Orleans” die Schilderung des Triumphes einer Idee.
Mit “Der Braut von Messina” folgte Schiller zwar weiter den Vorstellungen der antiken griechischen Tragödie, doch er wagte hier erstmals, eine frei erfundene Handlung zu gestalten. 1804 wurde “Wilhelm Tell” uraufgeführt. Wieder experimentierte Schiller mit dem Theater. Tell sollte im besten Sinn ein “Volksstück” sein, wie Schiller es betonte.
Schiller zog am 3. Dezember 1799 nach Weimar um. Er übernahm die Wohnung von Charlotte von Kalb. Goethe und er konnten daher noch enger zusammenarbeiten. Einen Nachteil hatte die räumliche Nähe der beiden Partner für die Literaturkritik; der Briefwechsel zwischen ihnen verringerte sich deshalb deutlich.
Am 11. Oktober 1800 wurde Schillers Tochter Caroline geboren. Seine Frau Lotte litt nach der Geburt an einem Nervenleiden, und Schillers Gesundheitszustand verschlechterte sich ebenfalls.
Kaum genesen erlebte Schiller einen Triumph seines Schaffens. Das Publikum feierte seine “Johanna” stürmisch, und die Buchausgaben seiner Werke erreichten für die damalige Zeit sensationelle Auflagen.
Wie früher in Jena fühlte sich Schiller nach knapp vier Jahren in Weimar unbehaglich. Er suchte ungeduldig eine neue Wirkungsstätte. Er knüpfte bereits Verbindungen nach Berlin an, doch eine weitere finanzielle Unterstützung Carl Augusts ließ Schiller in Weimar bleiben.
Am 25. Juli 1804 kam seine Tochter Emilie zur Welt. Ende des Jahres erkrankte Schiller wieder schwer. Wie später Goethe in seinen letzten Monaten war Schiller von schöpferischer Unrast erfüllt. Kaum besserte sich sein Befinden etwas, schrieb Schiller wie besessen.
Bis zu seinem Tod arbeitete er am “Demetrius”. Schiller hatte früher immer seine Entwürfe und Notizen vernichtet, wenn er ein Theaterstück fertiggestellt hatte. Doch die Entwürfe zu “Demetrius” blieben erhalten, weil er das Drama nicht mehr vollenden konnte.
Am 9. Mai 1805 starb Schiller an den Folgen seiner Lungenerkrankung.
Literatur:
Kurt Woelfel: Friedrich Schiller Stuttgart: Deutscher Taschenbuch Verlag 2004 (dtv portrait; 31016.)
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