Fr. Schiller: Jena

Friedrich Schiller: Auf dem Weg nach Weimar

Schiller war mit seinem Leben in Mannheim unzufrieden. Als er im Sommer 1784 Briefe von vier seiner Bewunderer aus Leipzig erhielt, folgte er im April 1785 deren Einladung in die sächsische Stadt. Schiller war voller Optimismus und hatte unzählige Pläne. Seine Bewunderer lernte er hier persönlich kennen. Mit Christian Gottfried Körner sollte ihn bald eine langjährige Freundschaft verbinden.

Zusammen mit Ludwig Ferdinand Huber und den Schwestern Minna und Dora Stock verbrachte Schiller im nahegelegenen Dorf Gohlis einen harmonischen Sommer. Diese Freude und der Optimismus fanden in Schillers Gedicht “Lied an die Freude” seinen bemerkenswerten Ausdruck.

Nachdem Körner Minna Stock geheiratet hatte, zog das junge Ehepaar nach Dresden und lud Schiller kurze Zeit darauf ein, bei ihnen zu wohnen.

Bald zog auch Huber nach Dresden und vervollständigte den Freundeskreis. In diesen Monaten traf Friedrich Schiller bei einem Fest Henriette von Arnim und verliebte sich spontan in die junge Frau. Schillers Beziehung wurde von seinen Freunden mit Misstrauen bedacht. Sie waren der Ansicht, dass dadurch Schillers Arbeit am “Don Karlos” litt.

Schiller fand sich durch seine Freunde etwas eingeengt, und er suchte daher Kontakt mit dem Direktor des Hamburger Nationaltheaters, Friedrich Ludwig Schröder. Diese hegte die Hoffnung den berühmten Dichter nach Hamburg zu engagieren. Doch Schiller zögerte diese Entscheidung immer wieder hinaus. Einen Wunsch erfüllte er doch dem Direktor. Am 18.12.1786 wurde “Don Karlos” in Hamburg uraufgeführt.

Als Schillers Verhältnis zu Henriette von Arnim im Streit beendet wurde, zog es Schiller dann doch fort aus Dresden. Obwohl Schiller inzwischen ein bekannter Dichter geworden war, zweifelte er immer wieder an seinen Fähigkeiten. So suchte er in Weimar eine neue literarische Heimat, um sich hier weiter entwickeln zu können.

Weimar war zu dieser Zeit eine bedeutende Kultur-Stadt. Hier lebten und arbeiteten herausragende Persönlichkeiten. Schiller traf Wieland und Herder und wurde nicht nur von diesen Willkommen geheißen. Auch Charlotte von Kalb traf er in Weimar wieder. Beide verkehrten häufig gemeinsam in der Weimarer Gesellschaft und gaben damit Anlass zu zahlreichen Spekulationen. Ob das Verhältnis der Beiden intimer war, wurde aber nie bewiesen.

Schillers Enthusiasmus endete jäh zu Beginn des Jahres 1788. Er verfiel wieder in Selbstzweifel und Unrast. Doch dieses Jahr sollte für ihn positive Veränderungen bringen. Durch Vermittlung Goethes erhielt er eine Professur an der Universität in Jena, zwar nicht gut bezahlt, aber es war für Schiller eine finanzielle Absicherung. Am 11. Mai 1789 traf er in Jena ein.

Ende 1787 hatte Schiller die Schwestern Caroline von Beulwitz geb. von Lengefeld und Charlotte von Lengefeld kennen gelernt. In den nächsten Monaten entstand zwischen den drei Personen ein enges, mehr als nur freundschaftliches Verhältnis. Friedrich Schiller heiratete am 20. Februar 1790 Charlotte von Lengefeld.

Schiller beschäftigte sich zu dieser Zeit mehr mit lyrischen Werken und historischen Betrachtungen. Eine Richtung, die ihm eigentlich, nach eigenem Bekunden, zunächst nicht zusagte. Schiller hatte sich bei der Abfassung seiner Dramen immer mit den historischen Ereignissen beschäftigt, die den Hintergrund des Geschehens bildeten. Deshalb begann er fast zwangsläufig historische Abhandlungen zu schreiben.

Die Loslösung der Niederlande von der spanischen Herrschaft war das erste Thema, von dem er aber nur den ersten Band veröffentlichte (1788). Anfang der neunziger Jahre folgte ein Buch über den “Dreißigjährigen Krieg”. Schillers Biographien über die Persönlichkeiten aus der Zeit des Kriegs wurden hoch gelobt. Schiller sah in seinen Betrachtungen nicht nur die oft bewunderte Person. Er betrachtete die Geschichte als einen Entwicklungsprozess des Menschen, der in der Erlangung der Humanität gipfeln sollte.

Seine Abhandlungen sicherten Schiller die wirtschaftliche Existenz. Zu dieser Zeit, in der er sich eigentlich vom Drama abwenden wollte, beschäftigte er sich mit dem Feldherrn Wallenstein und entwickelte erste Ideen für ein mögliches Trauerspiel.

Dermaßen hoch gestimmt, wurde er Anfang 1791 von einer schweren Lungenentzündung befallen, die später nie auskuriert werden konnte. Schillers Gesundheitszustand sollte in seinen weiteren Lebensjahren immer labil bleiben.

Schiller konnte im Laufe des Jahres seine Lehrtätigkeit an der Universität deshalb nicht mehr aufnehmen. Das Schreiben und Lesen fiel ihm in diesen Monaten so schwer, dass seine Frau häufig seine Korrespondenz führte. Trotzdem blieb Schiller in Kontakt zu seinen zahlreichen Bekannten und Freunden, und sein Haus war ein gern besuchter Treffpunkt.

Kaum war er wieder genesen, entwickelte Schiller wieder neue Projekte. Eine Neubearbeitung des “Don Carlos” und historische Themen beschäftigten ihn. Der Erfolg des “Don Carlos” zeigte für ihn eine unerwartete finanzielle Unterstützung. Der dänische Schriftsteller Jens Immanuel Baggessen, ein Bewunderer Schillers, vermittelte seinem Idol ein Stipendium der dänischen Regierung. Schiller beschäftigte sich ab 1792 außerdem intensiv mit der Philosophie Kants und der Französischen Revolution.

Die Französische Revolution sah Schiller zunächst nur als stillen Betrachter. Als die französische Nationalversammlung Schiller eine Auszeichnung verlieh, plante er nach Frankreich zu reisen. Als Ludwig XVI. der Prozess gemacht wurde, änderte sich Schillers Haltung zur Revolution. Er setzte sich für den König ein und wandte sich nach dessen Hinrichtung vehement gegen den Terror der französischen Revolutonären. Dabei verurteilte er nicht die Ideale der Revolution. Er kritisierte, dass sich die Franzosen nicht von der Vernunft leiten ließen und der Barbarei die Herrschaft überließen.

Schiller sah einen anderen Weg, zu einer vollkommeneren Welt zu kommen. Er vertrat die Idee, dass der Mensch über die Kultur zur Vernunft gelangen könne. Die Künstler sollten auf diesem Weg zum idealen Staat mit ihren Werken Wegbereiter sein.