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Johann Wolfgang von Goethe
-Alter und Tod-
Die napoleonischen Kriege erreichten Weimar. Die französischen Soldaten plünderten die Stadt. Dank des couragierten Auftretens Christianes wurde die Plünderung des Goethe-Besitzes verhindert. Goethe war von der Entschlossenheit seiner langjährigen Geliebten so angetan, dass er sie am 19. Oktober 1806 heiratete. Goethe begann, sich von den literarischen Leitlinien der Klassik etwas zu lösen. Er entdeckte wieder die altdeutsche Kunst und deren Literatur. Die Romantiker Achim von Arnim und Clemens Brentano suchten die Nähe Goethes, indem sie ihre Liedersammlung “Des Knaben Wunderhorn” ihm widmeten.
Ab 1809 begann Goethe damit, seine Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Mit “Dichtung und Wahrheit” gab er einen Einblick in seine Ansichten und Erlebnisse. Im Gegensatz zu den Vertretern der beginnenden Romantik hielt sich Goethe aus der Politik heraus. Die nationalen Bewegungen in dem kleinstaatlichen Deutschland fanden bei ihm kein Gehör. Nach der Niederlage Napoleons versuchte er seine neutrale politische Haltung in dem Festspiel “Des Epimenides Erwachen” zu erklären.
1814 reiste er in seine Heimat und besuchte alte Bekannte und Freunde. Die Reise wurde eine Inspiration für Goethe.
Goethe fühlte sich danach unbeschwerter, sprach von einer “zweiten Jugend”. Er las zu dieser Zeit eine Sammlung des persischen Dichters Hafis. Goethes Begeisterung für dieses Werk war so groß, dass er mit seinem eigenen “Divan” begann. Goethes “West-östlicher Divan” wurde aber nicht gleich ein Erfolg. Zu fremd war vielen Lesern die orientalische Kultur.
Eine neue Geliebte fand sich auch in Goethes “West-östlichen Divan” wieder. Er hatte auf seiner Reise 1815 Marianne von Willemer, die Frau eines Bankiers kennen gelernt. Im Laufe der nächsten Jahre entspann sich zwischen den beiden Liebenden ein poetischer Briefwechsel. Marianne wurde als Suleika im Divan verewigt.
Die Romantiker hatten in diesen Jahren immer wieder versucht, Goethe für sich zu gewinnen. Doch Goethes erneutes Interesse an der alten deutschen Kunst, machte ihn nicht zu einem Anhänger der romantischen Literatur. Er orientierte sich immer noch mehr an die Auffassungen der Antike. Die nationalen Bestrebungen der Romantiker fanden ebenfalls nicht das Wohlwollen Goethes.
Am 6. Juni 1816 verstarb unter Qualen seine Frau Christiane. Goethe war tief erschüttert. Wieder stürzte er sich in seine Arbeiten, um seine Trauer zu verdrängen. Er übernahm wieder ein Ministeramt in Weimar und war wieder zuständig für Wissenschaft und Kultur. 1817 gab er die Leitung des Weimarer Hoftheaters ab. Goethe nutzte die freigewordene Zeit für die Weiterführung seiner naturwissenschaftlichen Forschungen.
Goethe reiste öfters zur Kur in Marienbad. Hier traf er 1821 wieder Ulrike von Levetzow, die er bereits als Vierjährige kennen gelernt hatte. Fühlte er sich zunächst deshalb als “väterlicher Freund”, der jetzt 17jährigen, warb er 1823 um die Hand der jungen Frau. Seine Werbung stieß bei der Mutter Ulrikes auf Ablehnung. Kurz nach dem Antrag verließen Mutter und Tochter den Kurort und ließen Goethe zurück. Die “Marienburger Elegien” sollten später Goethes Trauer über die Zurückweisung dokumentieren.
Goethe unternahm in seinen letzten Lebensjahren keine weiten Reisen mehr. Sein Alter bedrückte in immer mehr. Durch intensives Arbeiten wollte er sich das Gegenteil beweisen. So bearbeitete er eine weitere Gesamt-Edition seiner Werke und vollendete “Wilhelm Meisters Wanderjahre” und 1831 “Faust II”. Goethe bestimmte, dass der zweite Teil des “Faust” erst nach seinem Tod veröffentlicht werden durfte.
Die Fortsetzung des “Wilhelm Meisters” fand unter der zeitgenössischen Kritik wenig Zustimmung. Sogar Thomas Mann attestierte hundert Jahre später wenig Freude an dem Buch. Goethes Stilmittel in diesem Werk waren seiner Zeit weit voraus. So wird der letzte Teil des “Wilhelm Meisters” von einigen Literaturwissenschaftlern des vorigen Jahrhunderts als ein erster moderner Roman gewürdigt.
Goethe lebte aber nicht in Isolation. Sein Haus war immer noch Treffpunkt und Ort für Feste und Gespräche. Friedrich von Müller und Johann Peter Eckermann führten mit dem alternden Dichter zahllose Gespräche. Beide brachten ihre Aufzeichnungen später in Buchform heraus und vermittelten damit einen tiefen Einblick in Goethes Gedankenwelt.
Goethes literarisches Denken beschränkte sich nicht nur auf den deutschsprachigen Raum. Er zeigte auch reges Interesse an den Literaturen anderer Länder und Kontinente. Fand ein Buch dabei sein besonderes Interesse, so schuf er häufig eigene Texte, die dieses Buch als Vorbild hatten. So erschienen 1827 Gedichte Goethes, die von chinesischen Versen inspiriert waren, die er kurz vorher gelesen hatte.
Bis zu seinem Tod war Goethe fast manisch tätig. Schöpferische Unrast erfüllte ihn und lenkte ihn vom Sterben seiner Bekannten, Freunde und vom Tod seines Sohnes August am 27. Oktober 1830 ab.
Goethe starb am 22. März 1832.
Literatur:
Anja Höfer: Johann Wolfgang von Goethe München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1999 (dtv-Portrait.)
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