|
Johann Wolfgang von Goethe
- Werther, der erste Erfolg -
Während der Zeit am Reichskammergericht in Wetzlar lernte er in Volpertshausen Charlotte Buff kennen. Charlotte Buff hatte nach dem Tod ihrer Mutter die Aufsicht über ihre elf Geschwister übernommen. Dieses Verantwortungsgefühl und ihre Schönheit und Jugend ließen Goethe wiederum in Schwärmerei verfallen.
Lange Zeit duldete der Verlobte Charlottes, Johann Christian Kestner, die Besuche Goethes. Nach einiger Zeit machte Kestner sein Missfallen deutlich, und Goethe verließ Volpertshausen.
Diese Begebenheiten und die folgende Bekanntschaft mit der sechszehnjährigen Maximiliane von La Roche sollten Anregungen für Goethes ersten Welterfolg “Die Leiden des jungen Werther” werden. Der Verlobte Maximilianes hatte nicht den Langmut Kestners. Peter Anton Brentano warf Goethe aus dem Haus.
Am 30. Oktober 1772 erschoss sich Carl Wilhelm Jerusalem, ein Bekannter Goethes, aus Liebeskummer. Anderthalb Jahre später sollte Goethe diesen Selbstmord und seine eigenen Erlebnisse miteinander kunstvoll zum “Werther” vereinen.
Goethe war während seines Aufenthaltes in Wetzlar voller Elan. Hier entstanden Verse, die später Weltruhm erlangten. Goethe fing in diesem Zeitraum mit ersten Studien zum “Faust” an. Er bewies auch, dass er nicht nur Liebes- und Naturlyrik meisterhaft beherrschte. In Wetzlar entstanden satirische Gedichte, die oft drastisch-derb die Dichter und ihr Werk karikierten.
1774 schrieb er den Briefroman “Die Leiden des jungen Werther” innerhalb von vier Wochen. In der Folge des literarischen Trends zur Empfindsamkeit, angelehnt an die melancholischen Werke der damaligen englischen Literatur, schrieb sich Goethe seine eigenen Befindlichkeiten mit dem “Werther” von der Seele.
Der Briefroman wurde zu einem sensationellen Erfolg im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Dichter und Philosophen nahmen deshalb Kontakt mit Goethe auf. Die Frankfurter Gesellschaft warb ebenfalls um Goethe, und er wurde zu zahlreichen angesehenen Familien eingeladen.
Eine dieser Besuche führte zu einer weiteren Liaison Goethes. Anfang Januar 1775 lernte er die Tochter des Bankiers Schönemann kennen. Die junge Anna Elisabeth Schönemann, genannt Lili, entfachte die Leidenschaft im jungen Goethe.
Wenig später feierten die beiden Liebenden am 20. April 1775 Verlobung. Die Verbindung stand unter einem ungünstigen Stern. Die Eltern der beiden Brautleute waren mit dem Verhältnis nicht einverstanden. Zusätzlich hatte Goethe immer noch Schwierigkeiten, sich in den vornehmen Kreisen seiner Verlobten zu bewegen.
So nutzte er seine Bekanntschaft zu Carl-August von Sachsen-Weimar-Eisenach und folgte dessen Einladung nach Weimar.
|