Goethe: Studienjahre

Johann Wolfgang von Goethe

- Studienjahre-

Auf Bestreben seines Vaters begann Goethe 1765 mit dem Studium an der Leipziger Universität. Eigentlich wollte Goethe Philologie und Geschichte studieren, doch der Vater bestimmte, dass sein Sohn die juristische Fakultät besuchen sollte. Goethe besuchte die Vorlesungen von Christian Fürchtegott Gellert, dessen Werke später zu den ersten Schriften des “Sturm und Drang” zählen sollten.

Gellert unterstütze nicht gerade die literarischen Erzeugnisse des jungen Goethe. Mehr Zuspruch und Hinweise erhielt Goethe von Ernst Wolfgang Behnisch. Dieser publizierte eine Sammlung galanter Gedichte Goethes. Die galanten Gedichte (“Annette”) verfasste Goethe, nachdem er sich in die Wirtstochter
Anna Katharina Schönkopf verliebt hatte. Diese Methode der literarischen Verarbeitungen goethischer Leidenschaften und Lieben sollte zu einem Markenzeichen des Dichters in den folgenden Jahrzehnten werden.

Die Leidenschaft Goethes litt aber unter ständigen Eifersuchtsanfällen. 1768 trennte der sich von Anna Katharina Schönkopf. Goethe verarbeitete seine Gefühle zu seinem “Kätchen” nicht nur in Gedichten. Ein Schäferspiel “Die Launen des Verliebten” und zahlreiche Briefe gaben Zeugnis von Goethes schwankenden Gefühlen.

Goethe widmete sich auch in Leipzig der Malerei. 1765 begann er bei
Adam Friedrich Oeser seine, bereits in Frankfurt am Main begonnen Studien fortzusetzen. An der Akademie Oesers machte er sich erstmals  mit der Kunst der Antike vertraut .

Goethe war 1767 voller Selbstzweifel über die Qualität seiner Schriften und vernichtete viele Arbeiten, die zum Teil aus seiner Kinderzeit stammten. Im Sommer 1768 erkrankte Goethe schwer und kehrte deshalb in seine Heimatstadt zurück. Trotz seiner Tuberkulose begann Goethe mit ersten Tagebuchaufzeichnungen und verfasste ein Theaterstück, dass in der Tradition Molières stand. 1769 erschien im Buchhandel sein erster Lyrikband.

1770 reiste Goethe nach Straßburg, um dort sein Studium der Rechte fortzusetzen, ganz im Sinne seines Vaters. Goethe fand hier bald einen Freundeskreis an der Universität. Einer dieser Freunde sollte später im “Götz von Berlichingen” ein literarisches Denkmal finden.

In Straßburg lernte Goethe den Mediziner Friedrich Leopold Weyland kennen. Dadurch wurde Goethes Interesse an der Medizin geweckt, und er besuchte Anatomie-Vorlesungen. Obwohl ihm die Teilnahme an Sezierungen körperliches Unbehagen bereitete, vertiefte er sich in die menschliche Anatomie.

Zu dieser Zeit wohnte Johann Gottfried Herder in Straßburg. Zwischen ihm und Goethe entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch. Goethe lieferte Herder Beiträge zu dessen Liedersammlung “Stimmen der Völker in Liedern”. Herders Interesse an der alten deutschen Kultur veranlasste Goethe dazu, eine Abhandlung über den Dombaumeister des Straßburger Münsters zu verfassen. Diese Schrift erschien 1773 in einem Buch Herders als Beitrag.

Während seines Studiums lernte Goethe die Pfarrertochter
Friederike Brion aus Sesenheim kennen und verliebte sich in sie. Diese, wie später seinen anderen Affären, fanden Eingang in sein dichterisches Werk. Die Pfarrertochter sollte später in “Dichtung und Wahrheit” verewigt werden. Ganz im Bann der jungen Frau verfasste Goethe zahlreiche Gedichte, darunter “Heideröslein” und “Willkommen und Abschied”. Wie später im Werther schildert er darin eindringlich seine Natur-und Liebeseindrücke. Goethe beendete die Beziehung zu Friederike Brion wenige Monate später.

1770 legte Goethe seine Dissertation vor. Seine darin vertretenen religiösen Ansichten fanden Unverständnis, und die Dissertation wurde abgelehnt. Am 6. August 1771 bestand Goethe seine juristische Prüfung. In seiner Heimatstadt Frankfurt am Main eröffnete er wenig später eine Kanzlei und arbeitete als Anwalt. Eine Tätigkeit, die seinen rastlosen Geist bald langweilte.

Wie Herder vergötterte Goethe William Shakespeare, den er in einer Rede am 14. Oktober pries. Für Literaturhistoriker gilt diese Rede als eines der Manifeste der beginnenden “Sturm und Drang-Epoche”. In diesem Jahr entstand die erste Fassung des “Götz von Berlichingen”. Nach mehreren Überarbeitungen wurde das Theaterstück auch in Buchform herausgegeben.

“Götz von Berlichingen” begeisterte vor allem das junge Publikum. Das historische Thema, der rasante Wechsel der Szenen und die realistische Darstellung des ausgehenden Mittelalters verstießen gegen die in dieser Zeit geltenden Regeln für das Theater.

1772 begab sich Goethe nach Wetzlar, um am Reichskammergericht eine Praktikantenstelle zu übernehmen. Seine Unlust an juristischen Themen und die chaotischen Zustände am Kammergericht ließen ihn nicht allzu lange verweilen.