Christiane von Goethe

Christiane und Johann Wolfgang von Goethe

Christiane Vulpius verbarg sich aber nicht im Haus vor ihren Kritikern. Sie war seit ihrer Jugend eine leidenschaftliche Freundin des Theaters. Zuerst begleitete sie ihren Bruder Christian August, der häufig Aushilfearbeiten im Theater leistete. Christiane Vulpius blickte bei diesen Besuchen auch hinter die Kulissen der Theater und besuchte nicht nur die Aufführungen.

In Weimar besuchte sie häufig das Theater und provozierte dadurch immer wieder die Bürger der Stadt. Mit ihrer intimen Kenntnis der Theaterwelt kümmerte sich Christiane Vulpius um die Schauspieler des Weimarer Hoftheaters. Sie hörte sich deren Sorgen an und half, wo es ihr möglich war. Sie war dabei viel großherziger als Goethe. Der große Dichter war als Intendant im Umgang und in seinen Anforderungen ans Ensemble überaus streng.

Hier im Kreis der Schauspieler fand Christiane Vulpius endlich Anerkennung. Doch neben diesem Erfolg gab es wieder Trauer. Am 16. Dezember 1802 brachte sie ihr fünftes Kind zur Welt. Doch Kathinka lebte nur drei Tage. Von fünf Kindern hatte nur der Sohn August überlebt.

Trotzdem ließ sie Goethe nichts von ihrer Verzweiflung spüren. Im Gegenteil. Sie munterte ihren Geliebten immer wieder auf, der in diesen Monaten unter heftiger Kritik stand. Goethe wusste Christianes Fähigkeiten zu würdigen und übergab ihr die Theaterassistenz in Bad Lauchstädt, das zu seiner Intendantur gehörte. Hier verbrachte Christiane Vulpius eine unbeschwerte Zeit. In Bad Lauchstädt herrschte nicht der Dünkel Weimars. Goethes Lebensgefährtin tanzte auf den Festen der Stadt und hatte auch einige Bewunderer. Sogar Schiller sprach mit ihr.

Goethes Achtung vor ihren Leistungen war so groß, dass er sie bei Krisensituationen am Weimarer Theater als Beraterin und Vermittlerin einsetzte. So schlichtete sie u.a. 1808 einen Streit zwischen Goethe und der Schauspielerin Caroline Jagemann und verhinderte damit Goethes Rücktritt als Theaterdirektor.

Christiane Vulpius bewies 1806 bei dem Einmarsch der Franzosen in Weimar ihre Entschlusskraft und Mut. Die französischen Soldaten plünderten Weimar und drangen auch in das Haus am Frauenplan ein. Die ersten Soldaten konnte Christiane Vulpius durch reichhaltige Bewirtung ruhigstellen. Doch dann drangen Soldaten in Goethes Schlafzimmer ein. Christiane vertrieb couragiert die Plünderer und rettete damit wahrscheinlich Goethes Leben.

Anderen Prominenten erging es in diesen Tagen schlechter. Christianes Bruder konnte nur das eigene Leben und das seiner Familie retten. Charlotte von Steins Besitz wurde komplett geplündert. Herzogin Louise konnte Mitte Oktober Napoleon schließlich überzeugen, die Plünderung der Stadt zu beenden.

Goethe erhielt von Napoleon einen Schutzbrief ausgehändigt. Goethe, beeindruckt von dem Mut seiner Lebensgefährtin, entschloss sich Christiane Vulpius zu heiraten. Am 19. Oktober 1806 heirateten sie in der Weimarer Jakobskirche, nachdem sie bereits 18 Jahre lang zusammen gelebt hatten. Christiane erwarb durch die Heirat den Titel Frau Geheime Rätin von Goethe.

Die Weimarer Gesellschaft akzeptierte den neuen Status der bisher verhassten Frau. Christiane von Goethe lud in ihr Haus ein und ging jetzt auch auf Empfänge. Trotzdem blieben die Damen der Weimarer weiter etwas reserviert gegenüber Goethes Ehefrau. Charlotte von Stein ließ sich herab mit der Rivalin zu reden. Goethe stand vollkommen hinter seiner Frau. Als Bettine von Arnim einen Streit mit Christiane von Goethe provozierte, brach Goethe empört jeglichen Kontakt zu den Arnims ab.

Christiane von Goethe, die immer agil war, begann kurz nach der Heirat unter Schmerzen im Unterleib zu leiden. Zunächst verschwieg sie ihre Beschwerden vor Goethe. Doch Goethe drängte sie schließlich zum Arztbesuch. Der Arzt konnte nichts Ernstes feststellen. Er empfahl zur Schmerzbekämpfung mit Wasser verdünnten Rotwein.

Der Alkohol sollte in den nächsten Jahren keine Linderung bringen. Ihren letzten Geburtstag feierte sie ohne Goethe, der wieder in Regierungsgeschäften unterwegs war. Trotz ihrer Leiden überwachte sie weiterhin den eigenen Haushalt, das Theater und nahm am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil. sie verbarg weiter ihren sich verschlechternden Gesundheitszustand.

Am 29. Mai 1816 brach sie wieder in ihrem Haus zusammen. Man verständigte Goethe, der sofort nach Hause reiste. In den nächsten Tagen litt Christiane von Goethe unter unsäglichen Schmerzen, so dass sie sich die Zunge durchbiss.

Sie starb unter Qualen am 6. Juni 1816 an Nierenversagen. Sie wurde zwei Tage später auf dem Jakobsfriedhof beigesetzt.

Literatur:

Monika Keuthen:
“Und trotzdem bin ich glücklich”: Christiane Vulpius. 2. Aufl.
München: List 2000
(Rebellische Frauen.)