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Christiane und Johann Wolfgang von Goethe
Christian August Vulpius fand später vorrübergehend eine Anstellung als Sekretär in Süddeutschland. Als Schriftsteller fand er aber immer noch keinen Erfolg. Wieder kam er auf die Idee bei Goethe Unterstützung zu suchen. Goethe war 1788 aus Italien nach Weimar zurückggekehrt, wo immer noch Christiane Vulpius lebte.
Vulpius kam auf die Idee, seine Schwester um Unterstützung zu bitten. Christiane war zunächst unwillig, dieser Bitte nachzukommen. Sie, die einfache Putzmacherin, sollte dem großen Goethe einen Brief überreichen? Doch Christianes Pflichtgefühl siegte.
Es war bekannt, dass Goethe morgens gerne durch den Weimarer Stadtpark spazieren ging. So betrat Christiane Vulpius am 12. Juli 1788 den Park, um das brüderliche Schreiben zu übergeben.
Goethe, der kurz zuvor aus Italien zurückgekommen war, hatte sich von seinen Weimarer Bekannten durch seine lange Abwesenheit entfremdet. Das Verhältnis zu Charlotte von Stein hatte sich ebenfalls abgekühlt. Christiane Vulpius faszinierte den großen Dichter durch ihre Natürlichkeit. Goethe lud sie spontan zu einem Wiedersehen ein.
Wenige Tage später besuchte sie Goethe in dessem Gartenhaus. Christiane Vulpius war von Goethes Persönlichkeit und seinem Lebensstil sehr beeindruckt. Im September des Jahres zog sie zu ihm ins Haus. Sie konnten eine Zeit lang ihr Verhältnis vor der Weimarer Öffentlichkeit verbergen. Christiane Vulpius führte den Haushalt, und Goethe verkehrte weiterhin in der Weimarer Gesellschaft. Goethes Liebe fand auch in diesem Fall Eingang in seinen Versen.
Goethe versuchte inzwischen sein Verhältnis zu Charlotte von Stein zu verbessern. Er vermisste den intellektuellen Gedankenaustausch vergangener Jahre. Er konnte sich zu dieser Zeit auch ein Verhältnis mit Christiane Vulpius und Charlotte von Stein vorstellen.
Im Frühjahr 1789 wurde das Verhältnis der beiden Liebenden dann doch offenbar. Charlotte von Stein war tief getroffen und verfolgte fortan die Geliebte und spätere Ehefrau Goethes mit abgrundtiefen Hass. Die Weimarer Gesellschaft hatte ihren Skandal. Eine einfache Putzmacherin erdreistete sich eine Beziehung mit Goethe! Und Christiane Vulpius war schwanger! Für die damalige Justiz war das üblicherweise ein strafwürdiges Vergehen, weil Christiane Vulpius mit einem Mann zusammen lebte, mit dem sie nicht verheiratet war.
Doch Goethe stand immer noch hoch in der Gunst des Herzogs von Weimar und deshalb gab es keine strafrechtliche Verfolgung. Goethe, der viel auf seine Unabhängigkeit von den gesellschaftlichen Normen gab, heiratete Christiane Vulpius aber deshalb nicht.
Christiane gab nichts auf die Häme, die ihr von den Weimarern entgegengebracht wurde. Sie liebte Goethe, und das war genug für sie. Goethe rechnete in dieser Zeit mit der Rache der enttäuschten Charlotte von Stein und versuchte sich mit ihr zu versöhnen. Doch die Eifersucht Charlotte von Steins war zu groß. Sie fand mit ihren Intrigen schließlich das Gehör der Herzogin. So war Carl August schließlich gezwungen, dem öffentlichen Druck nachzugeben.
Goethe und seine Geliebte mussten auf Anordnung des Herzogs das Haus am Frauenplan verlassen und außerhalb der Stadt ein neues Quartier nehmen. Hier brachte Christiane Vulpius ihren Sohn August am 25. Dezember 1789 zur Welt.
Die Geburt des unehelichen Sohnes sorgte für weitere gehässige Bemerkungen in der Weimarer Gesellschaft. Charlotte von Stein sprach davon, dass Goethe “sich völlig dieser Pöbelfamilie ausgeliefert” habe. Wie bereits frühere Erlebnisse, verarbeitete Goethe seine Erlebnisse in Weimar zu einem Drama. Sein “Tasso” schilderte das Leben eines Dichters, der von der Gesellschaft geächtet wurde.
Das Verhältnis zwischen Christiane Vulpius und Goethe wurde auch außerhalb Weimars kritisch beurteilt. Eine neue Goethe-Werk-Ausgabe mit dem “Tasso”, die in diesem Jahr erschien, wurde zunächst kaum zur Kenntnis genommen.
Inzwischen wurde Goethe für den Herzog wieder wichtig. Carl August übertrug Goethe wichtige Aufgaben in der Weimarer Regierung. Der Herzog schickte Goethe nach Italien, später musste Goethe (1790) auch nach Schlesien ins Heerlager. Die Hofdamen Weimars hofften nun, dass die neue Beziehung des Dichters darunter leiden würde. Doch Christiane Vulpius redete ihrem Geliebten nicht aus, seinen Regierungspflichten nachzukommen.
Goethe hatte sich in diesen Monaten verändert. Er erledigte zwar seine Aufgaben, aber er sehnte sich nach seiner Geliebten. Christiane entwickelte sich zu einer guten Köchin und meisterte die Probleme des Alltags mit ihrem Durchsetzungswillen. Sie genoss das Leben mit Goethe und hörte nicht auf die Sticheleien der Weimarer.
1791 erhielt Goethe die Aufgabe, ein Theater in Weimar zu gründen. Er ergriff diese willkommene Gelegenheit von der Weimarer Politik befreit zu werden. Am 7. Mai 1791 wurde das “Herzoglich Weimarer Hoftheater” eröffnet.
Am 14. Oktober 1791 kam das zweite Kind Christianes tot zur Welt. Goethe, der in seinem Leben stets die Begegnung mit dem Tod auswich, weil der ihm seine eigene Vergänglichkeit zeigte, blieb der Bestattung des namenlosen Sohnes fern.
Als der Herzog dem Paar die Wohnung kündigen wollte, drang Goethe darauf, wieder in sein ehemaliges Haus einziehen zu wollen. Carl August gab dem Drängen nach einigem Zögern nach und erwarb das ehemalige Goethe-Domizil vom neuen Besitzer zurück. 1792 zog Goethe mit seiner Familie in das Haus am Frauenplan zurück.
Goethe entwarf Pläne, das Haus so umzubauen, dass es auch repräsentativer Treffpunkt für Künstler und Wissenschaftler werden sollte. Christiane Vulpius begleitete die Planungen und deren Ausführungen. Dabei half auch der Schweizer Maler Heinrich Meyer, ein früherer Bekannter Goethes, der jetzt im Haus am Frauenplan wohnte. Christiane Vulpius und Meyer verstanden sich gut, so dass Goethe, der sich gerade in Frankreich bei den preußischen Truppen aufhielt, von leiser Eifersucht geplagt wurde.
Doch dazu gab es keinen Anlass. Christiane Vulpius fand sich in diesen chaotischen Zeiten damit ab, dass ihr Geliebter auf Befehl des Herzogs immer wieder die preußischen Truppen begleiten musste. Wie andere Frauen hatte sie dabei die Sorge, ob Goethe unversehrt von den Kriegsschauplätzen zurückkehren würde.
Sie führte weiter gewissenhaft den Haushalt und genoss mit Goethe die wenigen Wochen, in denen sie zusammen sein konnten. Am 21. November 1793 brachte sie ihre Tochter Caroline zur Welt. Doch die Freude Goethes, der bei deren Taufe dabei war, dauerte nur wenige Tage. Am 3. Dezember starb Caroline. Wieder musste Christiane Vulpius ihr Kind alleine auf den Friedhof bringen.
Goethes Lebensgefährtin wurde nicht nur von der Weimarer Gesellschaft geächtet. Auch Friedrich Schiller strafte sie mit Nichtbeachtung, nachdem er mit Goethe zusammen arbeitete. Als Goethe einige Zeit bei Schiller in Jena lebte, lud Schiller Christiane Vulpius nicht zu einem Besuch ein. Bei einem Gegenbesuch im Haus Goethe musste sich Christane Vulpius von Schiller fernhalten.
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