Christiane Vulpius

Christiane Vulpius

Christianes Vater war Johann Friedrich Vulpius, der in Weimar als Beamter lebte. Seine Einkünfte waren gering, und unter diesen einfachen Verhältnissen brachte Christine Margarete Vulpius geb. Riehl, die gemeinsame Tochter Christiane am 1. Juni 1765 zur Welt.

Johann Friedrich Vulpius entstammte eigentlich einer wohlhabenden Familie. Doch die Verschwendungssucht des Herzogs Ernst August I. von Sachsen-Weimar-Eisenach, der jahrzehntelang bestrebt war, Weimar zu einem sächsischen Versailles umzugestalten, hatte die Staatsfinanzen zerrüttet. Immer höhere Steuern machten auch den vermögenderen Bürgern der Stadt zu schaffen. So verlor die Familie Vulpius große Teile ihres Vermögens.

Die hohe Staatsverschuldung führte auch dazu, dass die höfischen Beamten kaum Gehalt erhielten, wenn sie es überhaupt ausgezahlt bekamen. Johann Friedrich Vulpius hatte erst später eine Anstellung erhalten. Von dem kargen Gehalt musste er sich und zwei Schwestern ernähren. Der stete Kampf um seine Arbeit und seine ihm zustehenden Gehälter hatten ihn schließlich zu einem unterwürfigen Menschen gemacht.

Für kurze Zeit hatte sich dann seine finanzielle Not durch die Vermählung mit Christine Margarete Riehl gebessert. Die Tochter eines Strumpffabrikanten brachte eine beachtliche Mitgift in die Ehe. Doch das Geld wurde reichlich ausgegeben, und als der Schwiegervater starb, versiegte die weitere Unterstützung. Christine Vulpius brachte in der kurzen Ehe sechs Kinder zur Welt. 1771 starb sie kurz nach der Geburt von Johann Carl Emanuel, der selbst nur eine Woche alt wurde.

Christiane Vulpius war zu dieser Zeit sechs Jahre alt. Von ihren anderen Geschwistern lebte nur noch Christian August. Ihr Bruder ging später auf das Weimarer Gymnasium, während Christiane keine Schule besuchen konnte. Wahrscheinlich lernte sie Schreiben und Lesen bei einer Weimarerin, die jungen Mädchen die Grundkenntnisse darin vermittelte.

Trotz der schlechten finanziellen Situation war sie eine lebenslustige junge Frau geworden, die einen Blick für die Realitäten und Selbstbewusstsein entwickelte.

Als ihr Vater eines Amtsvergehens beschuldigt wurde und deshalb ins Gefängnis musste, setzte sie sich für ihren Vater und die Familie bei der Hofverwaltung ein. Immer wieder machte sie Eingaben und unterstützte ihren immer mehr verzweifelnden Vater. So erreichten beide, dass die Anklage fallen gelassen wurde. Johann Friedrich Vulpius wurde wieder in den Staatsdienst übernommen, erhielt aber einen minderwertigen Posten bei der Wegbau-Verwaltung.

Johann Wolfgang von Goethe war zu dieser Zeit Direktor der Behörde. Er vermittelte Christianes Vater aus Rücksicht auf dessen Alter eine Stelle, auf der  Johann Friedrich Vulpius nicht zu arbeiten brauchte. Das geringe Gehalt reichte wieder nicht für die Familie. So entschloss sich Christiane, eine Stellung zu suchen. Sie bewarb sich bei der Blumenfabrik von Caroline Bertuch als Putzmacherin.

Friedrich Justin Bertuch war der Pate von Christianes Bruder Johann Sebastian gewesen. Bertuch war in Weimar ein angesehener Beamter und dafür bekannt, dass er sich für Menschen aus der “Mittelschicht” einsetzte. So betrieb seine Frau Caroline ihre Blumenfabrik auch auch sozialen Motiven heraus, in dem sie jungen Mädchen Arbeit bot. So fand Christiane Vulpius hier ebenfalls eine Anstellung.

Die Weimarer Bürger betrachteten die Blumenfabrik Bertuch mit Skepzis. Es war damals nicht üblich, dass man sich für berufstätige Frauen einsetzte. Trotzdem kauften dieselben Bürger gerne die Produkte der Firma Bertuch, auch Angehörige des Adels suchten die Blumenfabrik gerne.

Im Juli 1786 kamen wieder Gäste und besichtigten dabei auch den Arbeitsraum der Putzmacherinnen. Johann Wolfgang von Goethe begleitete die Besucher. Als ein Offizier “unziemlich” die Hand Christianes ergriff, reagierte sie empört. Goethe griff ein, um die peinliche Situation zu überspielen. So begegneten sich Goethe und Christiane Vulpius das erste Mal persönlich.

Am 29. März 1786 starb Johann Friedrich Vulpius. Aus der Familie lebten jetzt nur noch Christiane und und ihr Bruder Christian August. Christianes Bruder hatte in den vergangenen Jahren erfolgreich das Gymnasium besucht und in Jena studiert. Christian August Vulpius hatte in dieser Zeit begonnen, Gedichte, Romane und Theaterstücke zu verfassen. Als begeisterter Anhänger des “Sturm und Drang” suchte er die Nähe der Literaturszene in Weimar und wurde Bürger der Stadt.

Seine Pläne, von der Dichtung zu leben, wurden von Friedrich Bertuch, der auch Verleger war, skeptisch beurteilt. Zu unsicher war ein ausreichendes Einkommen durch die Schriftstellerei, wenn man nicht zu den prominenten Autoren gehörte.

Vulpius wandte sich auf der Suche nach Unterstützung auch an Goethe. Goethe war zunächst nicht sehr beeindruckt von den eingereichten Texten. Da Goethe aber mit den Problemen der Familie Vulpius vertraut war, gewährte er dem jungen Dichten eine kleine Unterstützung.