Gerhart Hauptmann


Kindheit und Schulzeit


Hauptmanns Eltern lebten in Bad Salzbrunn und besaßen den Gasthof “Zur Krone” bereits in zweiter Generation. Der Großvater Hauptmanns, ein ehemaliger Weber, hatte den Gasthof erworben.

Gerhart Hauptmann wurde am 15. November 1862 geboren. Er wurde auf den Namen Gerhard Johann Robert getauft. Die Schreibweise seines Vornamens änderte Hauptmann später. Sein Vater Robert änderte den Namen seines Gasthofs, dem Trend der Zeit folgend in “Zur preußischen Krone”. Er war mit Marie verheiratet, einer Tochter des Leiters des örtlichen Kurbetriebs. Das Verhältnis zwischen dem Hotelbesitzer und seinem Schwiegervater war gespannt. Dem Kurdirektor missfiel die soziale Herkunft seines Schwiegersohnes.

Gerhart Hauptmann wuchs zunächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Der junge Hauptmann war gut bekannt in der Nachbarschaft. Er spielte mit Kindern aus den verschiedenen Gesellschaftsschichten der kleinen Stadt und lernte dabei auch die schlesische Mundart kennen und sprechen.

Sein tief religösen Tanten aber missbilligten Hauptmanns Umgang mit den Kindern aus einfachen Verhältnissen. Hauptmann beschrieb aber rückblickend seine Eltern und vor allem seinen Vater als liebevoll. Der Vater, zunächst als höchste Autorität vom Sohn angesehen, wurde später ein guter Ratgeber und Freund für den Dichter.

Der junge Hauptmann fiel in der Familie und in der Nachbarschaft durch seine überschäumende Fantasie auf. Immer wieder erzählte er Geschichten. Die väterliche Bibliothek benutzte er als Kind häufig, wobei er besonders an den Lederstrumpf-Geschichten Gefallen fand.

Trotz seiner Lese- und Fabulierlust schaffte er knapp die Eignungsprüfung für die Realschule in Breslau, die er schließlich ab den 10. April 1874 besuchte. Um die Schule besuchen zu können, musste Gerhart und sein älterer Bruder Carl ein Zimmer in einer heruntergekommenen Schülerpension mieten.

Gerhart, in einer Kleinstadt aufgewachsen, fand sich in der Stadt Breslau nicht zurecht. Breslau war viel lebhafter als das heimische Bad Salzbrunn. Seine Unzufriedenheit führte auch dazu, dass sein Verhältnis zum Bruder angespannter wurde.

Der Schule und den Lehrern konnte Hauptmann keine Achtung gegenüber empfinden. Der Unterricht war streng preußisch und die Lehrer hart und brutal. Hauptmann reagierte darauf mit Abneigung und Trotz. Deshalb waren seine Leistungen im ersten Schuljahr so schlecht, dass er die Klasse wiederholen musste.

Nach den anfänglichen Schwierigkeiten gewöhnte sich Hauptmann an Breslau. Zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehörte der Besuch der Theater der Stadt, und er kam dadurch zum ersten Mal mit der Welt der Bühne in Berührung.

Carl und Gerhart Hauptmann waren mit ihrem Domizil nicht zufrieden und fanden eine neue Unterkunft bei dem Pastor Gauda, der als Gefängnisgeistlicher sein Auskommen hatte. Gauda gab dem jungen Gerhart Nachhilfeunterricht, der häufig im Büro des Geistlichen stattfand. Hauptmann musste dazu das Gefängnis betreten und lernte dabei das Schicksal der Inhaftierten näher kennen. Die Erlebnisse aus den Begegnungen mit einzelnen Gefangenen sollten sich später in seinen Dramen wiederfinden.

In dieser Zeit begann Hauptmann erste Gedichte zu schreiben. Weil Hauptmanns Vater die Pension beim Priester nicht mehr zahlen konnte, zogen die Brüder Hauptmann bei der Familie Penert ein.

Gerhart fühlte sich in der Wirtsfamilie gegenüber den anderen Gästen zurückgesetzt und schlecht behandelt. Das Jahr 1877 wurde für Hauptmann in der Rückschau zu einem prägenden Abschnitt. In diesem Jahr verstarb sein Vetter an einer Meningitis und ein Mitschüler beging Selbstmord. Hauptmann verließ mit einem durchschnittlichen Zeugnis die Schule. Er hatte die Schule preußischer Prägung mit ihrer Bevorzugung der adligen Klassenkameraden stets verachtet. Gerhart Hauptmann zog auf das Rittergut Lohnig, das sein Onkel Gustav Schubert gepachtet hatte. Hier half er seinem Onkel bei der Arbeit auf dem Gut, so gut er konnte.

Obwohl er meist nur die Landarbeiter überwachte, strengte ihn die Arbeit an. Zu den Kindern der Landarbeiter hatte er guten Kontakt, in dem er ihnen immer wieder Geschichten erzählte. Seine Eindrücke aus dem Landleben hielt er dabei in zahlreichen Skizzen fest.

Sein Onkel gab wenig später die Pacht auf. Er erwarb eigenes Land, und Hauptmann folgte ihm, um auch hier auszuhelfen. Doch auch hier war er nicht zufrieden. Die Landarbeiter standen ihm feindselig gegenüber, und Hauptmann wurde in dieser Zeit deshalb von unwirklichen Träumen und religiösen Fantasien heimgesucht.

Seine Versuche, diese Empfindungen literarisch zu verarbeiten, zeigten noch kein großes schriftstellerisches Können. Mehr Talent entwickelte er als Zeichner. Trotzdem nahm er aus dieser Zeit zahlreiche Eindrücke mit, die in seinen späteren Werken verarbeitet werden sollten.

 

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