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Aufstieg und Fall Persiens : Warum unterlag Persien Alexander dem Großen?
 

Nach zweihundert Jahren hatte das persische Reich der Achämeniden seine größte Ausdehnung erreicht und stand auf dem Höhepunkt seiner Macht. Vom Indus bis zum Mittelmeer und vom Persischen Golf bis zum Aralsee reichte der persische Einfluss.

Der Ursprung des Perserreichs lag im Südwesten des heutigen Iran. Die Bewohner bezeichneten ihr Land als Pars, woraus die Griechen Parsis machten. Die Perser hinterließen kaum schriftliche Quellen. Nur die Inschriften auf dem ausgegrabenen Gebäuden geben Auskunft, die aber sehr spärlich sind. In Persepolis fand man glücklicherweise eine größere Menge Tonscherben, die Auskunft über das Reich geben. So sind Historiker fast nur auf griechische Quellen angewiesen, wenn sie sich ein Bild Persiens machen wollen. Natürlich sind diese Quellen mit Vorsicht zu betrachten.

Als erster Herrscher des Perserreichs gilt Kyros I., der von 600 v. Chr. bis 580 v. Chr. im persischen Stammland herrschte. Kyros I. war wahrscheinlich nur ein Vasall der Meder. Doch bereits sein Sohn Kambyses weitete den Machtbereich der Perser weiter aus.

Erstmals überregionale Bedeutung erhielten die Perser, als Kyros II. die Meder besiegte. Kyros II., später der Große genannt, gründete an der Stätte seines Sieges über die Meder seine neue Hauptstadt Pasargadae. Weitere Siegeszüge folgten. Kleinasien wurde von ihm erobert, und Babylon fiel 539 v. Chr.

Kyros war aber nicht nur der erfolgreiche Feldherr. Er organisierte seine Länder straff und sorgte für eine eigene Währung. Außerdem veranlasste er den Bau von umfangreichen Bewässerungsanlagen. 529 v. Chr. fiel er während eines Feldzugs. Im Gegensatz zu anderen persischen Königen wurde Kyros der Große von den Griechen bewundert. Aristoteles und sein Schüler Alexander achteten die Politik Kyros`, der unterlegene Gegner nachsichtig behandelte und ihnen ihre Kultur ließ. Bekannt wurde der persische König auch dadurch, dass er den Juden erlaubte Babylon zu verlassen, um in Jerusalem einen Tempel zu errichten.

Sein Sohn Kambyses II. setzte die Eroberungspolitik seines Vaters fort. 525 v. Chr. unterlag Ägypten. Kambyses starb unter ungeklärten Umständen. Sein Nachfolger Dareios, ein Verwandter, besiegte seine politischen Widersacher und ernannte sich zum König der Perser.

Dareios sorgte wie Kyros II. für einen weiteren Ausbau der Verwaltung, in dem er das Reich in 20 Satrapien aufteilte. Die Bewässerungsanlagen wurden in seiner Regierungszeit weiter ausgebaut. Als sichtbares Zeichen seiner Macht gründete er eine neue Hauptstadt: Persepolis.

An seiner Westgrenze seines Reiches wuchs zu dieser Zeit ein neuer Gegner heran. Athen unterstützte die Griechen Kleinasiens in ihren Unabhängigkeitskampf gegen Persien. 494 v. Chr. landete deshalb eine persische Flotte bei Marathon. Die Perser wurden in der Schlacht geschlagen. Weitere Kämpfe zwischen den Griechen und Persern folgten.

Schließlich tauchte mit Philipp II. von Makedonien ein weiterer gefährlicher Gegner für die Perser auf. Waren die Makedonier früher Verbündete der Perser gewesen, so verfolgte Philipp jetzt eine andere Politik.

Nachdem er den griechischen Dauerzwist mit militärischer Gewalt beendet hatte, wurde er der Anführer des Korinthischen Bundes. Philipps Ziel war die Zerschlagung des persischen Reiches. Nachdem Philipp II. einem Attentat zum Opfer gefallen war, übernahm sein Sohn Alexander die Vorstellungen seines Vaters und zog gegen Persien.

Warum zerbrach das riesige Reich unter dem Ansturm der makedonischen Reiter und Phalanxen? Die Griechen beschrieben ihre Gegner zu dieser Zeit als verweichlicht und despotisch. Die heutige Forschung sieht die Perser etwas differenzierter.

Die Perser wurden in der Antike für ihre Bewässerungsanlagen bewundert. Kilometerweit wurde Wasser in Kanälen und unterirdischen Röhren (=Quanate) geleitet.

Für den Bau der Bewässerungsanlagen wurden Tausende von Bauern zwangsverpflichtet. Für antike, aber auch modernere Historiker waren diese Anlagen Ursache für die despotische Regierung Persiens. Nach dieser Ansicht konnten diese Bewässerungsanlagen nur dann erfolgreich gebaut und unterhalten werden, wenn es eine Führungskaste mit einer funktionierenden Verwaltung gab. Außerdem mussten weite Teile der Bevölkerung auf ihre Freiheitsrechte verzichten.

Dagegen sehen andere Historiker keine Despotie im alten Persien. Die Bevölkerung war nach ihrer Ansicht nicht unwillig, weil sie die Kanalbauarbeiten ausführen musste. Die Bewässerung kam schließlich allen zu Gute.

Das Heer der Perser war vor den Schlachten von Issos und Gaugamela nahezu unbesiegbar gewiesen, obwohl in seinen Reihen persische auch ausländische Söldner fochten. Im Gegensatz zu anderen Söldnerarmeen waren die persischen Truppen ihrem König stets ergeben.

Doch Alexanders ungestüme Taktik besiegelte das Schicksal der persischen Armee, die in Gaugamela vernichtet wurde. Dareios III. hatte nicht die taktische Weitsicht und den nötigen Durchhaltewillen. Obwohl seine Truppen den Einheiten Alexanders weit an Mannschaften überlegen waren, floh der persische Großkönig bei Gaugamela und ließ seine Truppen im Stich.

Warum er so reagierte, ist unbekannt. Standen die göttlichen Vorzeichen schlecht für die Schlacht, wie antike Historiker vermuteten? Zog Dareios wegen dieser Omen sich zurück? Dagegen spricht, dass der persische Großkönig nicht Anhänger einer einzigen Religion war. Wie seine Vorgänger war auch seine Regierungszeit von religiöser Toleranz geprägt. Dareiso sah sich auch als Inkarnation bzw. Anhänger mehrerer Religionen.

Floh Dareios von den Schlachtfledern bei Issos und Gaugamela, um damit die Einheit des Reiches zu wahren? In seiner Person schließlich kristallisierte sich Persien. Mit dem Tod oder der Gefangennahme des Herrschers wäre nach diesem Verständnis die Einheit des Reiches nicht mehr gewährleistet gewesen.

Oder war Dareios doch nur der schlechtere Stratege? Niemand kann diese Frage heute beantworten. Mit der Ermordung des Großkönigs 330 v. Chr. ging das Achämenidenreich unter.

Literatur:

Matthias Unterburg:
Sturm über Persien : Tödlicher Irrtum eines Weltreichs

in:

Hans-Christian Huf (Hrsg.): Imperium ; Vom Aufstieg und Fall großer Reiche
Econ 2004.

 

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