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Geschichte der Hanse - Warum war die Hanse so erfolgreich?

Organisation

Die Hanse war in ihren ersten zweihundert Jahren ein Begriff in Europa, doch sie bildete in dieser Zeit keine geschlossene Organisation mit klaren Führungsstrukturen. Erst 1356 mit dem ersten Hansetag wurde ein oberstes Entscheidungsgremium für die Angelegenheiten der Hanse gebildet. Doch nicht alle Hansestädte nahmen an den folgenden Hansetagen teil. Die Hansetage fanden auch nicht in regelmäßigen Abständen statt. Die gefassten Beschlüsse waren außerdem nicht immer allgemeingültig.

Die Hanse hatte weder ein fest angestelltes Personal noch einen regelmäßigen Etat. Die Mittel wurden erst dann erhoben, wenn sie für bestimmte Vorhaben benötigt wurden. Militär und Flotten hob man nur aus, wenn man sie unbedingt benötigte.

Vor dem ersten Hansetag konnte praktisch jeder Kaufmann Mitglied der Hanse werden. Ab 1356 konnten dann nur noch Kaufleute aus Hansestädten Mitglied werden. Doch welche Stadt wirklich zur Hanse gehörte, war nicht eindeutig bestimmbar. Es gab keine Mitgliederverzeichnisse. Man war Mitglied, wenn man am Handel der Hanse teilnahm und die Hanseprivilegien beanspruchte. Es wurden immer wieder Städte aufgenommen, andere verließen den Bund nach eigenem Willen bzw. wurden ausgeschlossen. So beanspruchten zeitweise 200 Städte die Hansezugehörigkeit. Geleitet wurde dieser Bund von der Stadt Lübeck und deren Kaufleuten.

Die Kaufleute

Über die Frühzeit der Hanse gibt es kaum schriftliche Dokumente, weil sich die schriftkundigen Mönche wenig für den Handel interessierten. So erfährt man nur am Rande etwas über die Unternehmungen der Händler an der Ost-und Nordsee.

Zunächst bildeten die Kaufleute Interessen- und Schutzgemeinschaften. Es galt zunächst die eigenen Handelswaren vor Überfällen zu bewahren. Die Kaufleute sicherten sich später bestimmte Handelsvorteile in vielen Städten des Nord- und Ostseeraums. Ziel war die Bildung von Handelswarenmonopolen, die Erzielung von Steuerbefreiungen, sowie die Gründung von Handelsplätzen.

Die Erfolge waren schließlich so bedeutend, dass sich schließlich die Städte zum Hansebund zusammenschlossen. Obwohl das Bündnis keine feste Organisationsstruktur aufwies, die Städte unterschiedlichen Landesherrn unterstanden, schloss die Hanse rechtskräftige Verträge mit anderen Ländern, Städten und Fürsten ab.

Die Stärke der Hanse war das Verhandlungsgeschick ihrer Vertreter. Falls das nicht zu einem günstigen Ergebnis führte, setzte die Hanse militärischen Druck bzw. Handelsblockaden ein. Die Hansekaufleute waren schließlich so mächtig geworden, dass sie ihren Landesherren jahrhundertelang widerstehen konnte.

In der Stauferzeit entwickelten sich zahlreiche Städte zu bedeutenden Zentren neben der Kirche und dem Staat. Die Kaufleute wurden in dieser Zeit zu einer anerkannten Berufsgruppe. Die Händler waren oft auch maßgeblich an Städtegründungen beteiligt.

Der Handel, besonders der Fernhandel begann anzuwachsen. Bevor die Hanse ihren Siegeszug antrat, beherrschten die Kaufleute aus Skandinavien und Russland den Fernhandel. Die Kaufleute der Hanse begleiteten zunächst ihre Handelswaren durch Europa. Zum Schutz vor Überfällen organisierten sich die Händler in Schwurgemeinschaften.
Später blieb der Kaufmann in seiner Stadt, um seine Geschäfte zu tätigen. Die Waren wurden nun von Stellvertretern des Händlers begleitet. Der Hanse-Kaufmann war ab Mitte des 13. Jahrhunderts sesshaft geworden und konnte nun bequem Geschäfte in verschiedenen Ländern machen.

Der wachsende Handel sorgte für die Einführung schriftlicher Dokumente. Verträge und Buchführung waren für die umfangreichen Geschäfte nötig. Die Kaufleute setzten sich deshalb für die Errichtung von Schulen ein. Die Köster waren nicht mehr die einzigen Bildungsanstalten.

Die Kontakte mit Händlern in anderen Ländern führten dazu, dass die Hansekaufleute “globaler” dachten und handelten. Die Hanse verstand sich dabei aber immer als Zwischenhändler. Sie kauften Waren auf und verkauften sie an einem Ort, wo sie benötigt und gut bezahlt wurden. Die Hansekaufleute schufen dabei aber keine Nachfrage nach neuen Produkten. Sie reagierten nur auf Nachfrage nach Produkten.

Zwei Kaufleute kurz vorgestellt

Über das Leben einzelner Kaufleute ist wenig bekannt. Eine wichtige Quelle über deren Geschäfte waren die Schuld- und Rechnungsbücher.

Das Rechnungsbuch von Johann Wittenborg reicht von 1346 bis 1359. Seine Handelskontakte reichten von Flandern, über England und Preußen bis nach Russland. Er handelte mit Tuchen, Gerste, Malz, Wachs und Pelzen. Sein wirtschaftlicher Erfolg bedingte auch seinen politischen Einfluss in der Hanse und in Lübeck. Er vertrat seine Stadt beim Hansetag und wurde 1360 Bürgermeister von Lübeck. Im Kampf gegen Dänemark befehligte er die hansische Flotte. 1362 besiegte der dänische König die Hanseflotte und Wittenborg wurde deshalb in Lübeck hingerichtet.

Tidemann Limberg (1310-1386) gehörte zu den Hansekaufleuten, die den englischen König Eduard III. mit Krediten aushalfen. Limberg gelangte deshalb in England in einflussreiche Positionen und zog den neid der englischen Kaufleute auf ihn an. Als Eduard III. die Hanse 1351 in England verbieten ließ, nahm er Limberg von dieser Maßnahme aus. Im Gegensatz zu Wittenborg übernahm er keine politischen Ämter

Die Kontore

Die Kontore waren neben den Städten besonders wichtig für die Hanse. In Nowgorod gründete die deutschen Kaufleute den St. Peterhof. An der Spitze des Kontors stand ein von den Kaufleuten gewählter Ältermann. Er war der Vertreter der Hanse vor Ort und zuständig für die Finanzen des Kontors. Alle Kaufleute des Kontors mussten eine Abgabe auf ihre Handelswaren entrichten. Auf diese Weise finanzierte sich das Kontor. Das Kontor war eine kleine Stadt in der Stadt. Hier lebten die Kaufleute und lagerten ihre Waren.

Wie der St.Peterhof besaß der Stalhof in London auch eine eigene Kirche. Die Kontore hatten auch jeweils eigene Kontorordnungen. die das Leben und das Handeln der Kaufleute regelten. Diese beiden Kontore wurden nur von Männern bewohnt, so dass sie deshalb auch Kaufmannsklöster genannt wurden.

Das Kontor in Brügge war keine abgeschlossene Siedlung. Das Oosterlingenhuis stand mitten in der Stadt. Die Kaufleute wohnten außerhalb des Kontorgebäudes in der Stadt.

Privilegien

Die Hansekaufleute waren immer daran interessiert, von den Herrschern und von den Städten Privilegien für ihre Geschäfte zu erhalten.

An erster Stelle stand zunächst die persönliche Sicherheit für die Kaufleute und ihre Waren. Steuer- und Zollermäßigungen waren ebenso erwünscht. Die Kontore der hanse waren exterritoriale Gebiete, in denen die jeweiligen Landesherrn nicht eingreifen durften.

Die Hanse ließ in den Ländern mit denen sie Handelsbeziehungen hatte auch das Strandrecht aufheben. So sollte verhindert werden, dass gestrandete Hanseschiffe von den Küstenbewohnern geplündert wurden.

Die ausgehandelten Privilegien behinderten ab dem 15. Jahrhundert aber den handel der Hanse. Die Landesherrscher und viele Städte wandten sich günstigeren anbietern zu. So wurden die “preiswerteren” Niederländer im Überseehandel immer erfolgreicher.

Seefahrt

Als die Stadt Lübeck gegründet wurde, gab es nur zwei Schiffstypen auf den nördlichen Meeren. Das Schiff der Wikinger mit Ruderern und kleinem Segel und ein rund gebautes Segelschiff. Beide Schiffstypen konnten maximal 30 Tonnen transportieren. Für den Handel und die Besiedlung neuer Gebiete waren diese Schiffe zu klein.

Zu dieser Zeit entstand die Kogge. 1188 werden die ersten Koggen urkundlich erwähnt. Die Kogge konnte bis zu 300 Tonnen Last transportieren. Sie war auch schneller als die bisherigen Schiffe und konnte gegen den Wind kreuzen. Die Kogge wurde wahrscheinlich in den Niederlanden erstmals gebaut und von den Hansekaufleuten weiter entwickelt. Im 14. Jahrhundert entstand dann der größere Holk als neues Schiff der Hanse. Der Holk, versehen mit Vor- und Achterkastell und zwei Stockwerken, war noch leistungssfähiger als die Kogge. Im 15. Jahrhundert ergänzte das Krawel die Hanseflotten. Das Schiff konnte noch mehr Ladung als der Holk transportieren und besaß drei Masten.

Die Hanseflotten besaßen auch zahlreiche kleinere Schiffe, die vorwiegend in Küstengebieten unterwegs waren, bzw. leichte Transporte erledigten. Dazu gehörten: der Kraier, der Ewer, die Schnigge u.a. Eigene Kriegsschiffe besaß die Hanse nicht. Man rüstete dazu vorhandene Koggen aus bzw. mietete Schiffe für den Krieg. Ende des 15. Jahrhunderts sollen 1000 große Handelsschiffe im Dienst der Hanse unterwegs gewesen sein.

Die Handelsschiffe waren keine schnellen Segler und fuhren in der Regel an den Küsten entlang. Obwohl sie gegen den Wind kreuzen konnten, ankerten sie bei Gegenwind meist in einem Hafen. Von Lübeck bis Danzig brauchte eine Kogge etwa vier Tage, bis nach Bergen waren die Schiffe oft mehr als drei Wochen unterwegs.

Im Winter wurde der Schiffsverkehr wegen der teilweise zugefrorenen Ostsee fast ganz eingestellt. Zeitweise verbot die Hanse sogar den Schiffsverkehr, um Schiffsverlusten zuvor zu kommen. Eine Regelung, die nicht alle Hansestädte begeisterte.

Die Handelsschiffe segelten überwiegend im Konvoi über Ost- und Nordsee. Auf diese Weise schützten sie sich vor feindlichen Schiffen in Kriegszeiten und vor Piraten. Die Hanse erstellte für den Konvoi-Verkehr strenge Regeln. So wurden Kapitäne unter anderem bestraft, wenn sie den Konvoi durch eigenes Verschulden behinderten.

Am Beginn der Hansezeit besaß in der Regel der Kaufmann ein Schiff, dessen Kapitän er auch häufig war. Mit dem Anwachsen des Handels wuchs nicht nur die Flotte. Die Schiffe hatten auch häufig mehrere Eigentümer. Hatte der Kaufmann Anteile an mehreren Schiffen, minimierte er sein Risiko, falls ein Schiff verlorenging. So verlor er nur einen Anteil seiner Waren und nicht alles. Die Kaufleute waren auch nicht mehr Kapitäne ihrer Schiffe. Die Aufgabe übernahm der Schiffer. auch der besaß einen kleinen Anteil am Schiff und konnte auf eigenes Risiko Geschäfte tätigen. Eine Bezahlung vom Kaufmann erhielt er nicht.

Als Besatzung fuhren bis zu 20 Matrosen auf den Koggen. Deren Bezahlung war unterschiedlich, und es gab deshalb häufig Konflikte zwischen Reeder und Matrosen. Teilweise durften die Matrosen mit eigenen Waren Geschäfte machen und damit ihr Einkommen verbessern.

Handelswege

Der bedeutendste Handelsweg der hanse war die Verbindung zwischen England, Flandern, Hamburg, Lübeck zu den baltischen Städten und Nowgorod. Weiter gab es Handelswege zwischen England und Frankreich und den Weg von England über den Rhein bis nach Italien. Das Kontor Bergen war zuständig für den Handel zwischen Norwegen und England.

Auf diesen Routen verkehrten regelmäßig die Konvois bzw. Landtransporte.

Literatur:

Philippe Dollinger:
Die Hanse. 5., erw. Aufl.
Stuttgart: Kröner 1998

Uwe Ziegler:
Die Hanse : Aufsteig, Blütezeit und Niedergang der ersten europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ; eine Kulturgeschichte von Handel und Wandel zwischen 13. und 17. Jahrhundert
Bern: Scherz 1994

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