|
Die Minoischen Paläste auf Kreta
Auf Kreta wurden vier Paläste aus der Bronzezeit gefunden. Der bekannteste Palast ist der von Knossos.
Sie haben mehrere Merkmale gemeinsam. Sie befinden sich in der Nähe der Küsten. Die Paläste waren die Zentren ihrer Städte, an denen die weltliche und religiöse Macht vereint waren. Sie besaßen neben einem Zentralhof weitere Innenhöfe, an denen sich Speicher, Werkstätten und andere Räume anschlossen.
Einzelheiten über die minoische Kultur kann man leider nur aus den archäologischen Funden entnehmen. Die so genannte “Linear A-Schrift” der Kreter wurde bisher nicht entziffert. Man nimmt an, dass die Herrscher verantwortlich waren für den Ackerbau und den Handel ihrer Epoche.
Die ersten Paläste wurden um 1900 gefunden. Nach Knossos und Phaistos entdeckte man Hallic und Zakros. Weitere Paläste wurden noch nicht gefunden. Man kann aber vermuten, dass es noch mehrere andere gegeben hatte.
Erste Siedlungsspuren fand man aus der Jungsteinzeit. Die Bewohner waren Bauern. Ab 3000 v. Chr. (Vorpalastzeit) begannen die Menschen auf Kreta sich in Dörfern anzusiedeln. Die Häuser wurden dicht aneinander gebaut. Die Bauern lebten in Großfamilien und bestellten gemeinsam die umliegenden Felder. Ab 2200 wuchsen die Ortschaften an und begannen das umgebende Land zu beherrschen. Man vermutet, dass einflussreiche Familien dabei eine bedeutende Rolle spielten.
Mit dem Anwachsen der Orte begannen sich Zentren zu bilden. Die Paläste entstanden als sichtbares Zeichen der Macht. Die Paläste waren aber keine Festungen im Land. Historiker nehmen daher an, dass die Paläste nicht zur Unterdrückung der Bevölkerung erbaut wurden.
Ab etwa 1930 v. Chr. begann die eigentliche Palastzeit. Sie dauerte etwa 500 Jahre. Die Historiker unterteilen diese Epoche in eine erste (1930-1700) und eine zweite (1700-1450) Palastzeit. Zwischen diesen Abschnitten gab es starke Zerstörungen der Gebäude, die wahrscheinlich von Erdbeben verursacht wurden.
Die Paläste wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aufgebaut, erweitert und repariert. Vorbilder für die Paläste fanden die Historiker in den Bauten des mesopotamischen Mari, mit dem Kreta ab 1700 v. Chr. rege Handelsbeziehungen unterhielt.
Knossos war mit einer Fläche von 17400 qm der größte Palast. Der kleinste Palast war Zakros mit 4250 qm. Knossos hatte im Ostflügel vier Stockwerke, während die anderen mindestens ein Obergeschoss besaßen. 1450 wurde Knossos zerstört und später von mykenischen Griechen wieder aufgebaut.
Die Paläste standen in den Zentren dicht besiedelter Städte. Daneben gab es große Privathäuser, die in der ersten Palastzeit zum Teil religiösen Zwecken dienten. Erst in der zweiten Palastzeit gab es keine Trennung mehr zwischen weltlicher und religiöser Macht. Beide wurden im Palast vereint.
Es ist aber nicht bekannt, wie stark die Kontrolle der Stadt durch die Herrscher im Palast war. Erst in der mykenischen Zeit gab es eine einheitliche Kontrolle der Stadt durch den Palast, der für das Königreich Steuern erhob.
In minoischer Zeit waren viele Gebäude unmittelbar an die Paläste gebaut worden, ein Zeichen dafür, dass es keine extreme Unterteilung der Gesellschaft gab.
Die Paläste waren nicht nur Zentren der Städte, sie waren auch bedeutend für das umliegende Territorium. Die Paläste forderten Anteile an den Ernten der Region, wie man den Lagerräumen entnehmen konnte. Hier wurden Weizen, Olivenöl, Wein und Safran eingelagert.
Um 1450 v. Chr. wurden die Paläste und deren Kulturen plötzlich vernichtet. Viele Historiker vermuten einen Vulkanausbruch oder ein Erdbeben als Ursache für den Untergang. Anzeichen für einen verheerenden Krieg wurden nicht gefunden.
Literatur:
Peter M. Warren: Minoische Paläste
in
Frühe Stadtkulturen Heidelberg: Spektrum Akad. Verlag 1997 (Verständliche Forschung)
>zurück<
|