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Kolonialismus
Herrschaftsformen
Die Herrschaft über die verschiedenen Kolonien war sehr unterschiedlich. Es gab hier die verschiedendsten Regelungen. Die britischen Kolonien z.B. unterstanden am Beginn des 20. Jahrhunderts drei verschiedenen Ministerien. Es gab so genannte Protektorate und Kronkolonien. Einige Kolonien wurden nicht direkt von der Kolonialmacht regiert. Viele Gebiete hatten zwar noch ihren einheimischen Herrscher, aber im Hintergrund regierte der Regent der Kolonialmacht. Beispiele dafür sind die unzähligen indischen Staaten der indischen Maharadschahs oder viele Gebiete in Südostasien. Besonders deutlich zeigte sich diese Machtausübung in Ägypten und Indien, in denen britische Generalkonsuln bzw. Vizekönige die eigentliche Macht innehatten. Die Kolonien unterstanden zwar ihren Herren, aber die Methode der Regierungsausübung war höchst unterschiedlich. So reichte die Behandlung der Einheimischen vom brutalen Terror-Regime der Japaner in Korea bis zum wohlwollenden Herrscher gegenüber den “ungebildeten” Einwohnern. Die jeweiligen kolonialen Herrscher versuchten oft, die verschiedenen einheimischen Machtkonstellationen gegeneinander auszuspielen, um den eigenen Machterhalt zu gewährleisten.
Die Kolonien kannten keine Trennung zwischen Legislative, Exekutive und Justiz. Die Beamten der Kolonialregierung hatten die uneingeschränkte Macht über die Einwohner. Einheimische Opposition wurde dabei nicht geduldet.
Die Kolonialmächte Europas verstanden es immer wieder, Einheimische an sich zu binden. Kolloborateure waren ein wichtiges Instrument für die Beherrschung eines Landes. So reichten um 1930 etwa 12 000 Briten in der indischen Verwaltung aus, um den Subkontinent im Sinne der Briten zu regieren.
Die Zusammenarbeit musste sich unbedingt mit Gewalt erzwungen werden. Oft wurden die einheimischen Herrscherfamilien an der Macht belassen, und man gewährte ihnen Privilegien. Waren die Anführer aber nicht zur Zusammenarbeit bereit, schufen die Kolonialmächte neue nationale Eliten. In Südostasien förderten die Franzosen den Katholizismus, und missionierte Vietnamesen dienten der Herrschaft der Kolonialmacht an herausragender Stelle. In Afrika ernannten die Briten zahllose Häuptlinge.
Wirtschaft
Nachdem eine Kolonialmacht ein Land unterworfen hatte, wurde es zunächst hemmungslos ausgebeutet. Die später entstehende Kolonialbürokratie entwickelte schließlich Rahmenbedingungen für die Wertschöpfung im Land. Es wurden Geldwährungen, Steuern und Zölle eingeführt. Der Außenhandel der Kolonien wurde von Angehörigen der Kolonialmacht kontrolliert.
Eisenbahnen, Kanäle, Bewässerungsanlagen und Telegrafenleitungen wurden in den Kolonien während des 19. Jahrhunderts ausgebaut, um einen schnellen Weg für den Transport von Gütern und Nachrichten zu schaffen. Die Landwirtschaft wurde ertragreicher.
Zahllose Bauern verloren in dieser Zeit ihr Land. Große Landgüter produzierten für den Export. Weitere Produkte waren Kautschuk, Zucker, Tabak und Kaffee.
Der Abbau von Edelmetallen und Erzen gehörte ebenso zu den ertragreichen Wirtschaftszweigen in den Kolonien. In der Regel förderten die Kolonialmächte nicht die Industrialisierung der von ihnen beherrschten überseeischen Länder. Nur Japan entwickelte Industrien in seinen Kolonien.
Literatur:
Jürgen Osterhammel: Kolonialismus : Geschichte, Formen, Folgen. 2., durchges. Aufl. München : Beck 1997 (Beck´sche Reihe; 2002)
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