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Kolonialismus
Definitionen
Der Begriff “Kolonialismus” wird von Historikern unterschiedlich definiert. Kolonialisation bedeutet eigentlich Landnahme, die aus verschiedenen Gründen geschehen konnte. Es hat in der Geschichte unzählige Kolonisationen gegeben.
Völkerwanderungen
Ein Volk verlässt sein Siedlungsgebiet, weil es von feindlichen Nachbarn verdrängt wird. Die vertriebenen Völker siedeln sich in fremden Gebieten an, deren Bevölkerung vertrieben oder unterworfen wird.
Auswanderer
Auswanderer verlassen aus wirtschaftlicher Not oder Verfolgung ihr Heimatland. Die Migranten gliedern sich häufig in der neuen Gesellschaft ein. Es kommt aber auch zu ethnisch geschlossenen Gesellschaften im neuen Land.
Unabhängigige Kolonisten
Menschen verlassen ihre Heimat, um sich in überseeischen Ländern anzusiedeln. Sie gründen vom Mutterland unabhängige Kolonien. Ursache für die Wanderungsbewegungen ist die stark anwachsende Bevölkerung im Heimatland. Bestes Beispiel dafür ist die Besiedlung des Mittelmeerraums durch die Griechen in der Antike. Die Ureinwohner der neuen Kolonien wurden entweder assimiliert, vertrieben oder ausgerottet.
Diese unabhängigen Kolonien importierten auch eine große Anzahl von Sklaven aus Afrika. Die karibischen Plantagenbesitzer benötigten diese billigen Arbeitskräfte.
Kolonialreiche
Die Kolonialmächte sicherten ihren weltweiten Besitz durch die Gründung von zahlreichen Stützpunkten, in denen neben dem Militär, Angehörige der Kolonialmacht angesiedelt wurden. Die Herrschaft des Kolonialismus definierte sich in der wirtschaftlichen Ausbeutung des Landes, das von der Kolonialmacht regiert wurde. Kam es in der europäischen Geschichte häufiger vor, dass die Sieger von den Besiegten kulturelle Errungenschaften annahmen, so waren die Kolonialherren nicht daran interessiert. Im Gegenteil, sie versuchten der Bevölkerung ihrer Kolonien die europäische Kultur aufzuzwingen. Der Kolonialismus suchte dabei seine Rechtfertigung im Rassismus. Es galt für die europäischen Mächte, die westliche Kultur den “unterentwickelten” Ländern zu bringen.
Die Kolonialreiche eroberten nicht nur das Land und regierten es. Es kam dabei auch vor, dass weite Gebiete, die für die Kolonialmacht uninteressant waren, unabhängig blieben bzw. erst später unter die Regierungsgewalt der Kolonialmacht gerieten. Die Niederlande sind dafür ein Beispiel. Weite Gebiete Indonesiens blieben noch weit über 100 Jahre unabhängig.
Die Europäer mussten ein Land nicht unbedingt militärisch unterwerfen. Es wurden in Ländern, die für die Kolonialmächte interessant waren, Regime gefördert bzw. eingerichtet, die die kolonialen und wirtschaftlichen Interessen Londons etc. vertraten. Weigerte sich ein Land, diesem politischen Druck nachzugeben, wurde Krieg geführt. So zwangen die Europäer 1842 die Chinesen im so genannten “Opiumkrieg”, sich dem Westen zu öffnen.
Die Kolonien bildeten für die Kolonialmächte auch Tauschware. War es opportun, so wechselten die Kolonien den Besitzer, wenn man sich dadurch politische und wirtschaftliche Erfolge versprach. Die wirtschaftlichen Interessen waren aber nicht nur staatlicher Natur. Große finanzielle Interessengruppen beeinflussten die Politik der Kolonialmacht, wobei diese auch nicht zögerten, gegnerische Mächte zu unterstützen.
Entwicklung
Holländer und Engländer gründeten Anfang des 16. Jahrhunderts ihre Ostindienkompagnien, die später zu mächtigen Handelsorganisationen werden sollten. Es wurden zahlreiche Handelsstützpunkte errichtet. Zunächst wurden aber nicht die umgebenden Gebiete vor den Städten unterworfen.
Das erste eigentliche Kolonialreich errichteten die Spanier im 16. Jahrhundert. Die Spanier, die in dieser Epoche weite Gebiete Mittel- und Südamerikas erobert hatten, begannen mit dem Aufbu einer einflussreichen Bürokratie, die die Länder für das Mutterland beherrschen und ausbeuten sollten. Amerika musste in den folgenden Jahrhunderten für den europäischen Markt produzieren, wie Edelmetalle und Zucker.
Ende des 16. Jahrhunderts begann die Zeit der Plantagenwirtschaft in weiten Teilen des spanischen Herrschaftsgebiets. Besonders erfolgreich erwiesen sich die Plantagenbesitzer der von Spanien beherrschten Karibik. Unzählige afrikanische Sklaven wurden “importiert” und sorgten für den wirtschaftlichen Aufschwung der Region. Historiker schätzen, dass bis zu 1 Million Sklaven auf den Inseln und Brasilien während des 17. Jahrhunderts arbeiteten. Engländer und Holländer drangen im 17. Jahrhundert in die Karibik ein und verdrängten die Spanier, die nur noch Kuba halten konnten. Mit der Abschaffung der Sklaverei ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts endete die Blütezeit der karibischen Plantagen.
Im 19. Jahrhundert begannen die Briten ihren Einfluss in Indien auszuweiten. Ausgehend von ihren Stützpunkten der Ostindischen Handelskompagnie unterwarfen sie im Laufe von mehr als 100 Jahren den indischen Subkontinent. Da die karibischen Inseln für die europäischen Mächte uninteressant geworden waren, drangen sie in Ägypten, Indonesien, Westafrika und Hinterindien vor. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Afrika unter den europäischen Mächten aufgeteilt. Grenzen wurden willkürlich gezogen und zerschnitten traditionelle afrikanische Stammesgebiete.
Mit gegenseitigen Verträgen sicherten sich die Europäer ihre jeweiligen Besitztümer. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten weitere Aufteilungen. Franzosen und Briten erhielten vom Völkerbund “Mandatsgebiete” im Nahen Osten. Die Kolonialmächte hatten in den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts den Höhepunkt ihrer Macht erreicht.
Der Ausbau des Eisenbahnnetzes und der Telegrafie in den Kolonien erleichterte den Europäern nicht nur die Beherrschung der Kontinente, sondern verhalf auch zum wirtschaftlichen Aufschwung der kolonialen Wirtschaft. Große Finanzkartelle und Monopole ( Bergbau, Erdöl) beherrschten die Länder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangten die Kolonien nach und nach ihre Unabhängigkeit, sei es durch politische Entscheidungen der UN oder durch den erfolgreichen Widerstand der einheimischen Bevölkerung. Der wirtschaftliche Einfluss der ehemaligen Kolonialmächte sollte aber weiter bestehen.
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