Meine

 

 

 

 

Bibliothek

Schule

Internet

Freizeit

Bücher


 

Geschichte Karthagos : Der 3. Punische Krieg

Die Karthager hatten nach dieser Niederlage ihre Souveränität verloren. Im Westen des Reiches erhob der Numider Massinissa Ansprüche auf weite Gebiete des bisherigen karthagischen Machtbereiches. Die Karthager durften sich dagegen nicht militärisch wehren, weil es ihnen der Friedensvertrag untersagte. So sandte der karthagische Senat öfters Delegationen nach Rom, damit die Streitigkeiten zwischen den Numidern und Karthago vor dem römischen Senat verhandelt wurden. Die Römer tendierten bei ihren jeweiligen Entscheidungen stets nach der numidischen Seite.

Die Karthager waren außerdem gezwungen, Rom militärische Unterstützung zu leisten. So schickten sie auch Truppen und Geld für die römischen Feldzüge gegen die Makedonier und die Seleukiden.
Der Numiderkönig war sich der römischen Gunst so sicher, dass er weitere karthagische Gebiete annektierte. Die karthagischen Proteste wurden von Rom zurückgewiesen. Karthago wurde sogar zu einer Zahlung von 500 Talenten an Massinissa verurteilt.

Um 150 gewannen im karthagischen Senat Kräfte die Macht, die nicht mehr bereit waren, die Angriffe Massinissas klaglos hinzunehmen. Die Karthager boten über 50000 Soldaten auf und zogen gegen den Numider. Die Schlacht ging aber für die Stadt verloren. Rom verurteilte Karthago zu weiteren Zahlungen und Gebietsabtretungen an die Numider.

Historiker aus der Antike und der Gegenwart sind sich uneins über die Gründe, die zur Vernichtung Karthagos geführt haben. Rom beobachtete misstrauisch das wieder wirtschaftlich aufstrebende Karthago. Viele erwarteten daher auch eine Erstarkung des politischen Selbstbewusstseins der Punier. Andere Römer wollten endlich Ruhe auf dem afrikanischen Kontinent haben. Die ständigen Auseinandersetzungen zwischen Numidern und Karthagern waren einigen Vertretern des römischen Senats lästig.  Ein vehementer Vertreter der Gegner Karthagos war der Censor Cato, der sogar die Zerstörung der Stadt forderte.

149 v. Chr, schickten die Römer ihre Konsuln M. Manilius und C. Marcius Censorius mit fast 100000 Legionären nach Sizilien. Die Karthager entsandten wieder eine Delegation. Rom forderte 300 karthagische Geiseln, und die Konsuln forderten zusätzlich vollkommene Entwaffnung der Karthager. Die Karthager schickten das Geforderte nach Ityke. Doch die Römer hatten den Gegner noch nicht genug gedemütigt. Sie forderten , dass alle Einwohner Karthagos die Stadt zu verlassen und sich an einer anderen Stelle, weit ab vom Meer, wieder anzussiedeln hätten. Die Stadt sollte keinen Zugang mehr zum Mittelmeer haben.

Die karthagische Bevölkerung rebellierte, als sie die Forderung hörte. Der Senat rief zum Widerstand auf. Die Sklaven wurden freigelassen und ins Heer übernommen. Die Stadt rüstete in aller Eile auf.

Die römischen Truppen belagerten wenig später die Stadt. Doch die Legionäre konnten die Mauern nicht erstürmen. Der Konsul Manilius zog mit seinen Truppen durch das karthagische Hinterland, wobei ihm hohe Verluste zugefügt wurden. Die Römer beschlossen daher für das nächste Jahr eine neue Taktik. Die Numider sollten als Verbündete Roms gegen Karthago kämpfen.

Inzwischen war Massinissa gestorben und einer seiner Söhne folgte dem römischen Ansinnen. Die numidischen Truppen waren erfolgreich. Ein bedeutender karthagischer Feldherr wechselte deshalb sogar die Seiten. Auch 148 konnte die Stadt Karthago nicht erobert werden.

Das römische Volk wählte den Adoptivenkel des Siegers von Zama zum Konsul, obwohl Publius Cornelius Scipio (später genannt Africanus minor, dt.= Scipio der Jüngere) das gesetzliche Mindestalter von 42 Jahren für die Wahl zum Konsul noch nicht erreicht hatte.

Scipio verstärkte die Angriffe auf die Stadtmauer und das karthagische Hinterland. Die Römer besiegten ihre Gegner und viele karthagische Städte ergaben sich kampflos. 146 drangen die Römer vom Land und vom Meer in Karthago ein. Scipio ließ bei den Kämpfen ganze Stadtviertel abbrennen.

Die Karthager baten Scipio um Gnade. Sie wollten die Burg übergeben, wenn er ihnen freies Geleit gewähre. Der römische Konsul ließ über 50000 Einwohner die Stadt verlassen. Karthago war gefallen.

Der römische Senat befahl die völlige Zerstörung der Stadt. Das Gebiet der Stadt wurde verflucht und sollte nie mehr besiedelt werden.

 

Wiederaufbau

Obwohl Karthago zerstört und der Boden verflucht wurde, gab es bald wieder Bemühungen, die Stadt neu zu besiedeln. Der Volkstribun C.Sempronius Gracchus plante neben dem verfluchten Gebiet italische Auswanderer anzusiedeln. Er beantragte dafür die Gründung der Stadt mit dem Namen Colonia Innania Carthago. Die polititschen Gegner des Gracchen verhinderten aber die Gründung der Stadt.

Knapp 80 Jahre später wurde Karthago zur Hauptstadt der Provinz Africa ernannt. 29 v. Chr. wurde auch der bisher verfluchte Boden neu besiedelt. Karthago entstand in alter Pracht. Der Handel florierte wieder. Die Stadt wurde neben Rom und Alexandria als bedeutendste Metropole des Mittelmeerraums genannt. Diese Bedeutung verlor Karthago erst mit der Eroberung durch den Kalifen Abd-el-Melek 698 n. Chr., der die Stadt endgültig zerstörte.

Obwohl Karthago nach dem Punischen Krieg zum ersten Mal total zerstört wurde, blieben Einflüsse ihrer Kultur erhalten. Die punische Sprache blieb noch jahrhundertelang erhalten, Formen der karthagischen Verwaltung wurden von den Numidern übernommen. Elemente der karthagischen Religion hielten in der römischen Götterwelt Einzug. Auch das erste afrikanische Christentum übernahm punische Vorstellung.

Der Staat

Viele Historiker äußern Zweifel, ob Karthago je von Königen regiert wurde. An der Spitze des Staates standen die Sufeten. Welche Herkunft und soziale Stellung die Mitglieder des Sufetats hatten, ist bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. unklar. Waren sie Könige mit direkter Erbfolge und absoluter Macht? Umstritten ist auch, ob es sich um ein konstituelles Königtum handelte.

Einige Quellen berichten von zwei Sufeten, die jährlich an die Spitze des Staates gewählt wurden. In späterer Zeit sollen es sogar vier Sufeten gewesen sein. Die Aufgabe der Sufeten ist auch nicht eindeutig belegt. Der Begriff “Sufet” wurde in der Antike oft mit König übersetzt. Ob dieser “König” von einem Verfassungsorgan überwacht wurde, ist nicht klar. Den Sufeten unterstand jedenfalls die Justiz. Sie beriefen den Senat und die Volksversammlung ein.

An der Seite der Sufeten stand der “Rat der Mächtigen”, der über Krieg und Frieden zu entscheiden hatte. Der “Heilige Rat” war ein Teil des karthagischen Senates. Die Volksversammlung stimmte über Beschlüsse der Sufeten und des Senats ab. Später, in der Zeit der punischen Kriege, wählte die Volksversammlung die Sufeten und Feldherren.

Der “Staatsgerichtshof der 104” richtete über die Generäle und war bekannt für seine Todesurteile gegen Feldherren, die sieglos waren. Die Mitglieder des Gerichtshofs waren Senatoren und wurden auf Lebenszeit gewählt.

Das Militär

Karthagos wirtschaftlicher Aufschwung ab dem sechsten Jahrhundert v. Chr. musste militärisch gegen die Konkurrenz gesichert werden. Die Handelsschiffe, die Kontore und die karthagischen Kolonien im Mittelmeerraum mussten vor Griechen, Etruskern und Lybiern geschützt werden.

Die Stadt berief aber nicht ihre eigenen Bürger zu den Waffen. Es gab nur wenige Karthager, die im Heer dienten. Ab dem vierten Jahrhundert dienten etwa 2500 Karthager als Elitekämpfer in der “Heiligen Schar”. Aus dieser Einheit gingen viele Offiziere und Generäle hervor. Nichtkarthagische Söldner konnten dagegen nicht in höhe Offiziersränge aufsteigen.

Als erster begann der Karthager Mago Söldner für die punischen Feldzüge anzuwerben. Diese Männer kamen aus dem gesamten Mittelmeerraum. Die karthagische Armee bestand aus der Infanterie, der Kavallerie und Kampfelefanten-Einheiten. Die jeweiligen Feldherrn wählte die Volksversammlung.

Die regionale Herkunft der Söldner bestimmte häufig deren Einsatzzweck. Die Numider, bewaffnet mit Speeren und Wurfspießen waren hervoragende Reiter und ihre Kavallerie galt lange Zeit als unschlagbar. Die Söldner von den Balearen waren mit Schleudern bewaffnet und galten als äußerst treffsicher.

Im Gegensatz zum Heer dienten in der Marine hauptsächlich Karthager. Die Flotte beschützte nicht nur die eigenen Handelsschiffe. Sie versenkte auch lästige Konkurrenz.

Wirtschaft

Die Karthager betrieben seit dem vierten Jahrhundert eine ertragreiche Landwirtschaft. Sie bauten Weizen, Gerste, Feigen, Granatäpfel, Nüsse und Datteln an. An Gemüse ernteten sie Kohl, Knoblauch, Lauch und Erbsen. An Vieh hielten sie Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine.

Die Keramik-Industrie ahmte erfolgreich Vorbilder aus Griechenland und Phönizien nach. Die Erzeugnisse der karthagischen Textil-Industrie (Leder, Teppiche) waren im Mittelmeerraum gefragt. Das Schmuckhandwerk gehörte ebenso zu den erfolgreichen Wirtschaftszweigen des Landes.

Die Karthager verstanden sich aber nicht nur als Produzenten, sie waren in erster Linie Händler. Mit Geschick und militärischem Druck gründeten sie ihre Handelskolonien und sicherten sich durch geschickte Verträge wirtschaftlichen Einfluss und Erfolg.

Das Handelsreich der Karthager reichte vom inneren Afrikas über dem gesamten Mittelmeerraum bis ins ferne Britannien. Auch die Römer, obwohl Gegner der Punier importierten gerne punische Handelswaren und übernahmen auch deren technische Errungenschaften, wie “Dreschmaschinen” und ”punische Fenster”.

 

Literatur:

Werner Huss:
Die Karthager
Büchergilde Gutenberg o.J.

 

>zurück<