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Geschichte Karthagos
Expansion
Im Gebiet des heutigen Libanon siedelten die Phönizier. Wie sich das Volk selber nannte ist unbekannt. Die uns geläufige Bezeichnung stammt von den Griechen. Die Phönizier waren ein Volk der Kaufleute und Seeleute. Die Stadt Tyros war lange Zeit das Handelszentrum des Landes. Von hier aus fuhren die Schiffe in die damals bekannte Welt.
Die Kaufleute waren wahrscheinlich die Verursacher der Auswanderung von Phönizier in den gesamten Mittelmeerraum. Seit dem 11. Jahrhundert v. Chr. hatten die Phönizier intensive Handelsbeziehungen nach Ägypten und Kreta. Viele Historiker sehen damit auch den Beginn der Auswanderung. Andere Vermutungen beziehen sich eher auf das 8. Jahrhundert als Beginn der Auswanderungswelle. Der wachsende Handel von Ägypten bis nach Mesopotamien ließ die Phönizier nach neuen Handelsplätzen Ausschau halten. Sie gründeten im Mittelmeerraum zunächst unzählige Handelsstützpunkte, aus denen sich dann häufig größere Siedlungen und Städte entwickelten.
Ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. siedelten Phönizier schon auf Zypern. Der Ort Kition war ein bekannter Umschlagplatz für Kupfer. Auch Teile von Anatolien und Assyrien wurden von den Kaufleuten besiedelt. Sizilien und Sardinien erhielten etwa um diese Zeit Handelsposten. Aus Sardinien exportierten die Phönizier Silber, Blei, Kupfer und Zinn. Die Bodenschätze des heutigen Spanien waren ebenso ein lohnendes Ziel für die mutigen Seefahrer aus Tyros. Weiter führte der Weg ins heutige Marokko, Tunesien und Algier.
Die Stadt Karthago
Karthago, dessen Gründung im mythologischen Dunkeln liegt, war unter verschiedenen Namen bekannt, ehe sie ihren - lateinischen - Namen erhielt. Die Aussagen antiker Autoren über die Lage und Gestalt der Stadt sind nicht immer eindeutig. Die Stadt soll aus einer Vorstadt, der Unterstadt und aus dem Ortsteil Byrsa (Altstadt?) bestanden haben. Archäologische Funde sind selten, weil die Römer nach den Punischen Kriegen die Stadt zerstört hatten.
Die beiden Häfen für die Handelsflotte und die Marine (Kothon) befanden sich in der Unterstadt. Die Agora vermutet man nördlich des Marine-Hafens. Eine Stadtmauer sicherte die Stadt, die am Ende der Punischen Kriege etwa 700000 Einwohner gehabt haben soll. Damit gehörte sie zu den Metropolen des Mittelmeerraums. Nördlich von Byrsa befanden sich die Totenstädte (Nekropolen) Karthagos.
Karthagos Aufstieg
Karthago entwickelte sich zu einem wohlhabenden Handelszentrum in Nordafrika. Die Marine schützte die Kaufleute. Von Karthago aus wurden Handelskontore gegründet, die sich oft zu Städten entwickelten. Die phönizischen Siedlungen auf Sizilien wurden im 6. Jahrhundert von den vordrängenden Griechen bedrängt. Karthago entsandte deshalb Truppen als Schutz auf die Insel. Es gelang den Karthagern beachtliche Gebiete der Insel unter ihre Herrschaft zu bringen. Auch auf Sardinien griffen sie ein. In langwierigen Kriegen wurde die Insel erobert. Die Karthager hatten im Laufe der Zeit Teile der Ur-Einwohner ihrer Stadt assimiliert und nannten sich ab dieser Zeit Punier. Die punische Expansion führte auch nach Südspanien, das unter die Oberhoheit Karthagos geriet. Da später auch die Küste des heutigen Marokko von den Puniern beherrscht wurde, konnte Karthago zeitweise die Straße von Gibraltar für alle anderen Schiffe sperren (350 v. Chr.?). Die Kaufleute segelten auch weit in den Atlantik und erreichten Madeira, die Azoren und die Kanaren. Vom sechsten bis zum vierten Jahrhundert weitete sich der Machtbereich der Stadt auf Tunesien und Algerien aus. In der Regel beherrschten die Punier die Städte, während sich das Hinterland seiner Kontrolle entzog.
Griechische Autoren berichten auch von der Entdeckungsfahrt des Karthagers Hanno, der die Westküste Afrikas bis nach Kamerun umsegelt hatte und dort Kolonien gründete. Es ist unter Historikern umstritten, wann diese Fahrt stattfand. Indizien aber weisen darauf hin, das es diese Fahrt aber gegeben hat. Als Zeitpunkt wird das 6. Jahrhundert angenommen. Die Berichte über eine Fahrt des Puniers Himilco bis zu den britischen Inseln stammen auch nur aus zweiter Hand. Der Hintergrund für diese Reise war wohl die Suche nach Zinn und Blei.
Ab 410 bauten die Karthager ihre Macht auf Sizilien weiter aus. Hatten sie 480 bei Himera noch eine vernichtende Niederlage erlitten und hielten sich 70 Jahre auf der Insel zurück, griffen sie jetzt in die inner-sizilianischen Auseinandersetzungen ein. Der mächtigste Gegner in dieser Zeit war der Tyrann von Syracus, Dionysios I. Die Kriege gegen ihn zogen sich über Jahrzehnte hin und sahen Siege und Niederlagen auf beiden Seiten. Mit dem Tod von Dionysis I. (367) endeten die Auseinandersetzungen zunächst, und Karthago beherrschte nun auch weite Gebiete im Norden der Insel. Es folgten in den nächsten Jahrzehnten noch mehrere militärische Konflikte, die die karthagische Position auf Sizilien im Endeffekt stärkten.
In dieser Zeit wuchs die Macht Roms in Latium und den angrenzenden Gebieten. Karthago und Rom waren nicht nur politische Gegner, sondern auch Konkurrenten im Handel. Es gab zwischen den beiden Mächten Verträge, die die politischen und wirtschaftlichen Konflikte bereinigen sollten. Einer dieser Verträge war der Philinos-Vertrag (306 ?), der es den beiden Kontrahenten verbot, im Gebiet des anderen militärisch einzugreifen.
Doch es musste zwischen den beiden Staaten zu militärischen Verwicklungen kommen. Die Römer fanden einen Grund, auf Sizilien einzugreifen.
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