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Kampf um die Macht : SS gegen SA
Konkurrenz: SA und Reichswehr
In der SA begann sich der Unmut gegen die politische Führung aufzustauen. Die SA hatte jahrelang den politischen Gegner terrorisiert und verlangte nun nach Anerkennung. Röhm verstand seine SA als Keimzelle eines neuen Volksheeres, das die Reichswehr ablösen sollte. Die Größe der SA-Armee war beachtlich. Ehemalige Offiziere kommandierten die SA-Standarten nach militärischen Vorschriften. 500000 SA-Angehörige standen den 100000 Soldaten der Reichswehr gegenüber.
Generalmajor Walter von Reichenau, Leiter des Ministeramtes des Reichswehrministeriums, war einer der Gegner des SA-Führers Ernst Röhm. Er wollte die SA-Angehörigen in einer Miliz unter Führung von Reichswehr-Offizieren zusammenfassen. Röhms Stellung sollte dadurch neutralisiert werden. Röhm wollte aber größeren Einfluss auf die Miliz haben, die den Grenzschutz Ost bilden sollte. Der SA-Führer wollte auch Zugriff auf die Waffenlager der Reichswehr in Ostdeutschland haben. Das konnte und wollte die Reichswehrführung nicht gestatten.
Im Februar 1934 fasste der mächtige SA-Führer nochmals seine Forderungen zusammen. Der Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg lehnte den Führungsanspruch der SA bei der Landesverteidigung ab und verlangte von Hitler eine Stellungsnahme über die zukünftige Stellung der Reichswehr.
Hitler aber wollte es sich zunächst weder mit der SA und der Reichswehr verderben. Er brauchte die Militärs für seine Expansionspolitik, die SA aber für die Innenpolitik. Bei einem Treffen am 28. Februar 1934 wurde zwischen SA und Reichswehr ein Abkommen geschlossen. Die Reichswehr wurde zum einzigen Waffenträger ernannt, die SA sollte für die vor- und nachmilitärische Ausbildung zuständig sein.
Doch Röhm war dazu nicht bereit. Im internen Kreis machte er Front gegen Hitler. Doch Hitler reagierte zunächst nicht auf die feindselige Stimmung in der SA.
General von Reichenau erfuhr von Röhms Äußerungen und bediente sich seiner Verbindungen zur SS. In Reinhard Heydrich fand er den Bundesgenossen, um gegen Röhm vorzugehen.
Heinrich Himmler hatte zunächst gezögert, Röhm, einen Freund aus alten Tagen, zu bekämpfen. Doch der Reichsführer-SS änderte seine Haltung, weil er im Bündnis mit Göring die Gestapo übernehmen konnte.
Für Heydrich stand es fest, dass Röhm beseitigt werden müsste. Der SD-Chef bediente sich seines Spitzelsystems, um “Beweise” für die Umsturzpläne Röhms zu finden. Aber es fanden sich keine.
Die SS und der “Putsch”
Röhm zog durch das Land und machte Stimmung für seine SA. Er wollte aber nicht den Umsturz, er wollte seiner Truppe nur mehr Einfluss im Reich verschaffen.
Die SS traf ihre Vorbereitungen für einen Schlag gegen den verhassten Konkurrenten SA. Todeslisten wurden aufgestellt, auf der führende SA-Männer standen. Auch andere Regime-Gegner wurden hier aufgeführt, die auch liquidiert werden sollten.
Doch es kam noch ein Mal zu einer Einigung zwischen Hitler und Röhm, das Problem sollte vertagt werden. Die SA sollte ab 1. Juli 1934 einen Monat in Urlaub gehen, und Röhm auf ärztliches Drängen zur Kur.
Hitler war in seiner Haltung immer noch unschlüssig, wie er sich entscheiden sollte. Doch Generalobert von Blomberg drängte bei Hitler darauf, dass der innere Frieden im Reich wieder hergestellt werden müste. Für die SA gäbe es keinen Platz mehr.
Hitler entschied sich widerstrebend gegen die SA. SS-Einheiten, ausgerüstet von der Reichswehr, bezogen Stellungen, um gegen Röhm vorzugehen.
Das Ende der SA
Historiker und Zeitzeugen urteilten unterschiedlich, ob es wirklich einen geplanten Putsch gegen Hitler gab. Jedenfalls bot sich für Hitler die Gelegenheit, sich der SA zu entledigen.
Die SS präsentierte Listen von Personen, die von der SA bei dem “Putsch” angeblich ermordet werden sollten. Der Reichswehr wurden “Dokumente” vorgelegt, die beweisen sollten, dass alle älteren Offiziere aus der Reichswehr entlassen werden sollten. So wurden zahlreiche Gerüchte von der SS ausgestreut, um auf den angeblichen Putsch hinzuweisen.
Hitler lockte unter einem Vorwand zahlreiche SA-Führer nach Bad Wiessee, wo Röhm zur Kur war. Die SS berichtete zu diesem Zeitpunkt Hitler, dass die SA am 30. Juni putschen wollte. Hitler fuhr nach Bad Wiessee.
Hitler stürmte in die Pension, in der die SA-Führer noch schliefen. Röhm, der seine Unschuld beteuerte und die anderen SA-Männer wurden von Hitler persönlich verhaftet.
In Bayern verhafteten die SS und die Bayrische Politische Polizei unzählige SA-Führer. Im Laufe des Tages weitete sich die Verhaftungswelle auf ganz Deutschland aus.
Hitler hatte sich endgültig gegen die SA entschieden. Zeitzeugen berichteten, dass Hitler blind vor Hass gegen seine angeblichen Feinde in der SA anschrie. In München wurden auf Befehl Hitlers sechs hochrangige SA-Führer erschossen. Röhm war noch nicht dabei.
Auch in Berlin begannen Goebbels und Göring mit der Festsetzung von SA-Führern. Die SS-Einheiten wurden von der Polizei bei den Verhaftungen unterstützt.
Die Gestapo erhielt von Reinhard Heydrich Mordaufträge. Die SS beschränkte sich bei ihren Morden nicht nur auf SA und andere politische Gegner, auch in den eigenen Reihen wurden SS-Mitglieder ermordet.
Göring und Himmler ließen auch Gregor Strasser ermorden, der zunächst in Opposition zu Hitler gestanden hatte, aber zu diesem Zeitpunkt bereit schien, sich mit Hitler zu versöhnen. Ein weiteres prominentes Opfer war der ehemalige Reichskanzler General Kurt von Schleicher.
Indessen, Hitler schien entschlossen, Röhm am Leben zu lassen. Er wollte ihn weiterhin als Gegengewicht zu Göring und Himmler. Doch die beiden bedrängten den Reichskanzer am Abend, Röhm zu beseitigen.
So gab Hitler schließlich doch den Mordbefehl. Am Abend des 1. Juli 1934 wurde Ernst Röhm in seiner Münchener Gefängniszelle von einem SS-Kommando erschossen. Es folgten weitere Erschießungen in Berlin. 83 Menschen fielen der SS zum Opfer. Hitler, der sich als Deutschlands oberster Gerichtsherr bezeichnete, ließ seine Säuberungsaktionen als Staatsnotstand durch ein Gesetz legitimieren.
Die führenden Reichswehroffiziere feierten den Schlag gegen den SA-Konkurrenten. Der ehemalige Staatssekretär der Reichskanzlei Erwin Planck erkannte die heraufziehende Gefahr für die Reichswehr und warnte General Freiherr von Fritsch, dass den Offizieren das gleiche Schicksal drohe, falls sie weiter tatenlos zusähen. Eine Vorhersage, die auch eintreffen sollte.
Die SS hatte über den Rivalen SA gesiegt und die Macht in der NSDAP gefestigt. Hitler erlaubte der SS in der Folgezeit, auch bewaffnete Verbände aufzustellen.
Die SA wurde weiter gesäubert und neu organisiert. Die Feindschaft zwischen SS und SA blieb erhalten.
Literatur:
Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf ; Die Geschichte der SS. Weltbild Verlag 1998.
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