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Das tägliche Leben in Sparta

 

Die Stadt

Die Ausgrabungen im heutigen Sparta sind nicht konsequent und dauerhaft ausgeführt worden. Deshalb gibt es Vermutungen, dass z.B. unter den modernen Siedlungen sich weitere antike Reste  verbergen. Literarische Texte aus der Antike bilden deshalb eine wichtige Quelle für die Architektur der Stadt.

Thukydides, der athenische Historiker, sprach Sparta jeden architektonischen Reiz ab. Seiner Meinung nach lebten die Spartaner in einer Ansammlung von Dörfern. Ein Indiz dafür war für ihn das Fehlen einer Stadtmauer zu seiner Zeit. Doch es gab in Sparta auch bedeutende Bauten.

Der Historiker Pausanias besuchte um 250 n. Chr. die Stadt und hinterließ eine umfangreiche Schilderung, die die architektonischen Errungenschaften der Lakedaimonier dokumentierte.

Die Volksversammlung tagte in einer riesigen Halle, die Skias. Sie befand sich im Zentrum der Stadt.
Der Tempel der Athene Poliuchos blickte von der Akropolis über die ganze Stadt.
Im Zentrum befand sich der zentrale Marktplatz, die Agora. Hier standen die Bauten für die Geronten und Ephoren und andere “Verwaltungsbauten”.

Am Eurotas lag der Artemis-Tempel. Artemis wurde iauf dem Peloponnes als Natur- und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt. Die Anfänge des Tempels liegen im zehnten bzw. neunten Jahrhundert v. Chr.
Als Sparta ab 700 v. Chr. wohlhabender wurde, erweiterte man den Tempel und verschönerte ihn.

Die Funde in diesem Tempel zeigen auf den Abbildungen die lebensfrohe Einstellung der Spartaner dieser Epoche. Man sieht die Spartaner beim Jagen und bei Festessen.

Erziehung

Plutarch beschrieb Sparta so:

“Niemand durfte leben, wie er wollte; in der Stadt hatten die Spartaner wie in einem Feldlager eine genau festgelegte Lebensweise und eine Beschäftigung, die auf das öffentliche Wohl ausgerichtet war, da sie dachten, sie gehörten ganz dem Vaterland und nicht sich selbst.”
(Aus Geschichtsbuch Bd 1. Hrsg. Jochen Martin. Cornelsen 1986.)

Die spartanische Gemeinschaft regelte rigoros das Leben der Menschen. Ziel der Erziehung (Agogé) sollte es sein, staatstreue Bürger zu erziehen. Diese bedingungslose Treue führte Sparta zur Macht, aber sie konnte schließlich nicht den späteren Niedergang verhindern.

Neugeborene wurden einer Kommission vorgestellt, die dann entschied, ob das Kind am Leben bleiben durfte. Erschien das Kind als nicht “lebensfähig”, weil es z.B. behindert war, wurde es ausgesetzt und verhungerte dann fast immer elendig. Dem akzeptierten Kind wurde ein Stück Land zugesprochen.
Bis zum 8. Lebensjahr lebten die Jungen in ihrer Familie. Sie wurden von Ammen erzogen. Schon hier begann die Abhärtung für das spätere Leben in der Gemeinschaft. Gehorsam, Furchtlosigkeit und Beherrschung der eigenen Gefühle wurden gelehrt.

Danach wurden sie in eine Gruppe, eine so genannte “Herde” aufgenommen. Hier lebten sie in der Gemeinschaft, übten sich in kriegerischen Disziplinen und beugten sich bedingungslos den Eirenes, den Befehlshabern der Gruppe. Auch hier galt es, die Kinder abzuhärten. So mussten sie oft bei jeder Jahreszeit nackt die Übungen durchführen. Ihre Unterkünfte waren mehr als einfach. Verstöße gegen die Disziplin wurden durch Prügel geahndet. Die Jungen wurden auch gezwungen, ihre Nahrungsmittel zu stehlen. Wer erwischt wurde, erhielt Prügel. Nicht, weil er gestohlen hatte, sondern, weil er sich hat fangen lassen.

Die Jungen wurden auch in der Debattierkunst geschult. Die Reden sollten kurz und treffend sein, daher der Ausdruck “lakonische” Rede und Sprache.

Das Zusammenleben der Jungen, ihre Bindung an erwachsene Männer führte oft zu homosexuellen Verbindungen, die von der Gesellschaft und auch der Religion geduldet und gefördert wurden. Ihren kulturellen Ursprung hatte diese Form der spartanischen Homosexualität wohl aus der Zeit der dorischen Wanderung. Ein Stamm konnte nur überleben, wenn seine Krieger überlegen waren. Mut und Kameradschaft prägten diese Männer.

Die Vererbung der Tugend (Arete) vom Vater auf den Sohn war für den Bestand der Gesellschaft wichtig. So wurde es üblich, dass die älteren Krieger als Mentor den jüngeren Männern zur Seite standen. So war dieses Verhältnis weniger sexuell als pädagogisch. Der Ältere war der Erzieher des Jüngeren. So war er auch dem Vater des jungen Mannes rechtlich gleichgestellt. Dieses Verhältnis wurde auch für das Militär genutzt, indem die beiden Männer Seite an Seite kämpften.

Von der jugendlichen Erziehung in der Agoge wechselte der junge Mann in eine so genannte Zeltgemeinschaft, die ebenfalls zu einer festen Gruppenbindung beitragen sollte. Bis zum 60. Lebensjahr blieb der Mann für das Militär dann tätig und war stimmberechtigt in der Volksversammlung.

Eine Kennzeichen der Zeltgemeinschaften (Syskenien) waren die gemeinsamen Mahlzeiten ihrer Mitglieder. Diese Zeltgemeinschaften bildeten auch die kleinste militärische Einheit. Die Gemeinschaft entschied auch darüber, wer aufgenommen wurde. Man konnte auch ausgeschlossen werden. Wer seine finanziellen Beiträge zur Gemeinschaft nicht mehr aufbringen konnte, wurde ausgeschlossen. Der Spartiate verlor dann auch seine Bürgerrechte. Auch Feigheit im Krieg führte zum Ausschluss.

Religion

Die Religion der Spartaner ähnelte in weiten Teilen der der übrigen Griechen. Im Gegensatz zu den anderen griechischen Ländern genossen die Priester in Sparta besondere Wertschätzung. Religiöse Kultstätten, wie das Orakel von Delphi, hatten überregionale Bedeutung. Die beiden Könige Spartas waren auch Priester des Zeus. Athene war die Schutzpatronin der Stadt und auch Sinnbild für die Krieger Lakoniens. Artemis wurde von weiten Teilen der Bevölkerung verehrt.
Apollon wurde während der Karneien-Festlichkeiten geehrt. In dieser Zeit ruhte in Sparta das öffentliche Leben, und es durften auch keine Kriege geführt werden.

Die Spartaner waren ein streng religiöses Volk. Bei ihren vielen Kriegszügen wurden auch stets die Götter um Gelingen gebeten. Waren die Omen ungünstig, brach man den Feldzug ab.
Kriegszüge wurden auch abgebrochen, wenn es Erdbeben gab. Die Lakedomaier sahen darin Warnungen des Gottes Poseidon.

Literatur

Als bedeutendster Dichter Spartas wurde Alkman , um 650 v. Chr. angesehen. Man vermutet, dass er kein Spartaner war, dass er aber die Lebensweise des Landes bewunderte. Er schrieb im Gegensatz zu anderen Autoren seiner Zeit in der spartanischen Umgangssprache.
Seine Werke wurden bei Festen und Kult-Veranstaltungen vorgetragen. Er galt als großer Liebhaber von Frauen wie auch von Männern, so dass er als Begründer der Liebeslyrik angesehen wurde. Vor allem Mädchenchöre trugen seine Werke vor.

Musik

Sparta steht eigentlich als Beispiel für Zucht, Ordnung und militärische Stärke. Doch im achten und siebten Jahrhunderts v. Chr. zeigten sich die Spartaner lebensfroh und feierten ausgelassene Feste.

Zahlreiche Künstler aus anderen griechischen Städten wurden zu diesen Festen eingeladen. Die Abschottung Spartas erfolgte erst in späteren Jahrhunderten.

Terpander, ein Musiker aus Lesbos, gewann in einem künstlerischen Wettkampf 674 v.Chr. einen Preis. Ihm gefiel die Stadt so gut, dass er hier eine Musikschule gründete.
Er unterwies seine Schüler in der Musik mit Lyra und Flöte, und er erfand die Leier mit sieben Saiten.
Terpander komponierte auch. Leider fand man nur wenige Fragmente seiner Lieder. Erhalten haben sich Bruchstücke homerischer Themen. Er entwickelte die Chormusik in Sparta. Neben dem Gesang boten die Chöre als Beiprogramm Tanzdarbietungen.

Als sich Sparta zu dem bekannten Militärstaat wandelte, verlor die Musik ihre Leichtigkeit und diente nur noch als Marschmusik für die Hopliten.

Sport

Die Spartaner nahmen auch an den Olympischen Spielen teil.
Der erste spartanische Sieg wurde im Jahr 720 v. Chr. gefeiert. Es folgten in den nächsten Hundert Jahren weitere Preise. Gesiegt wurde beim Langlauf, Ringen und Fünfkampf.
Die Spartaner waren dabei so erfolgreich, dass sie den anderen Teilnehmern Bedingungen für die Regeln der Spiele stellten.

So führten die Spartaner auch die Sitte ein, dass die Athleten nackt zum Wettkampf antreten mussten.

Der Einfluss Spartas auf die Olympischen Spiele schwand ab dem 6. Jahrhundert, als sich die Stadt zum Militärstaat wandelte.

Literatur:

Clauss, Manfred
Sparta : Eine Einführung in seine Geschichte und Zivilisation
München: Beck 1983
(Beck´sche Elementarbücher.)

Martin, Jochen (Hrsg.)
Geschichtsbuch Bd 1 : Von der Urgeschichte bis zum Beginn des Mittelalters
Berlin: Cornelsen 1986

Stibbe, Conrad M
Das andere Sparta
Mainz: von Zabern 1996
(Kulturgeschichte der antiken Welt; 65)

Weber, Carl W
Die Spartaner : Enthüllung einer Legende
Düsseldorf: Econ 1977

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