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Die staatlichen Institutionen Spartas
Könige
Sparta wurde von zwei Königen regiert. Der genaue Grund für diese Regierungsform ist unbekannt. Wahrscheinlich stammte diese Tradition noch aus der dorischen Wanderungszeit. Beide waren die obersten Priester des Staates und die unumstrittenen Feldherren im Krieg.
Ein König stammte immer aus der Familie der Agiaden und der andere König war ein Mitglied der Familie der Eurypontiden. Der König beherbergte während der Kriege seinen Stab im Zelt. Dieser war verantwortlich für die Verpflegung und Bedienung. Das waren die Anfänge der spartanischen Zeltgemeinschaften.
Unter Kleomenes I. wurde es durchgesetzt, dass aber nur ein König den Kriegszug befehligen sollte (505 v. Chr.). Die Volksversammlung rief den Krieg aus, und das Volk wählte den König, der Oberbefehlshaber werden sollte. Erfolgreiche Heerführer, die genug Beute gemacht hatten, wurden für weitere Kriege gewählt. Diese Erfolge bestimmten den innenpolitischen Einfluss des Königs.
Die beiden Königshäuser waren immer bemüht, die Dynastie zu erhalten. Blieb die Ehe eines Königs kinderlos, konnte er eine oder mehrere Frauen heiraten. Dieses Doppelkönigtum war unabdingbar für die Existenz und das Selbstverständnis des Landes.
Trotzdem herrschte zwischen den beiden Königen und deren Familien nicht immer Einigkeit. Es kam bei politischen Auseinandersetzungen zu Verurteilungen und Verbannungen unterlegener Könige.
Auch erfolglose Könige konnten abgesetzt werden. Nach spartanischen Glauben hatten dann die Götter sich erbost gezeigt. Und es wurde ein Nachfolger gewählt.
Gerusie
Die Gerusie war die Versammlung der Geronten, der Ältesten Spartas. In der Antike wurden alte Männer nicht ausgegrenzt. Der Mann blickte auf eine lange Lebenserfahrungen zurück, und sein Rat war in der Gemeinschaft erwünscht. Am Anfang war die Gerusie ein Ältestenrat, dessen Mitglieder aus den adligen Familien Lakoniens stammten. Die Verwandten der Könige waren in dieser Versammlung ebenfalls vertreten. Später wurde das Mindestalter für die Geronten auf 60 Jahre betimmt. Die Männer verließen in diesem Alter das Militär und hatten die Möglichkeit dem Gemeinwesen mit ihrem Rat beizustehen. Die Versammlung umfasste 30 Mitglieder, dazu gehörten auch die Könige. Die Mitglieder wurden auf Lebenszeit von der Volksversammlung gewählt.
Die Geronten genossen auch die Immunität. Sie konnten nicht aus ihren Ämtern entlassen werden, wenn sie sich als korrupt herausstellten.
Die Gerusie war beratend tätig, die Volksversammlung folgte in der Regel den Vorschlägen der Alten. Die Gerusie hatte in der spartanischen Verfassung aber ein Vetorecht gegenüber den Beschlüssen der Volksversammlung und sicherte damit die Stellung des spartanischen Adels. So regierte eigentlich eine Oligarchie in Sparta.
Der Ältestenrat war auch für die Rechtsprechung im privaten wie staatlichen Bereich verantwortlich. So verhängten sie auch Urteile gegen Könige.
Apella
Die jungen Männer wurden in der jährlichen Volksversammlung in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen. Die Apella tagte in der Frühzeit ein Mal im Jahr, später schien es monatliche Sitzungen gegeben zu haben. Die stimmberechtigten Mitglieder mussten mindestens 20 Jahre alt, Bürger oder Krieger sein. Die Entscheidungen wurden nicht durch Handheben gezeigt, sondern die Mitglieder versammelten sich bei Abstimmungen an verschiedenen Plätzen. Wie viele Mitglieder die Apella hatte, ist unbekannt.Die Versammlung folgten in ihren Entscheidungen häufig dem Rat der Geronten.
Trotzdem kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den beiden Verfassungsorganen, wenn die Geronten und die Könige ihre Macht auf Kosten der Spartiaten ausweiten wollten.
Die spartanische Apella unterschied sich von der athenischen Volksversammlung dadurch, dass die Spartiaten zwar über die Vorlagen der Gerusie abstimmen mussten, aber sie hatten kein Rederecht.
Ephorat
Die Funktion des Ephorat ist nicht genau bekannt. Die Posten der Ephoren wurden wahrscheinlich auf Drängen der Apella geschaffen, um die Macht der Gerusie und der Könige etwas entgegen zu setzen. Die Ephoren riefen die Vollversammlung ein und organisierten die Debatte.
Die Könige überliessen den Ephoren Teile der zivilen Rechtsprechung. Die Ephoren traten auch als Ankläger in schweren Vergehen und staatlichen Prozessen in der Gerusie auf.
Diese Beamten überwachten auch die Ernährung und die Gesundheit, wie auch das Aussehen der jungen Männer. Die Könige und das Ephorat waren Garanten für den Bestand des Staates, diese Aufgabe wurde zwischen diesen beiden Institutionen durch einen monatlichen Eid stets aufs Neue bekräftigt. Es wurden jedes Jahr fünf neue Ephoren gewählt. Ihre Entscheidungen fällten sie mehrheitlich in ihrem Gremium.
Die Ephoren spielten in der Außenpolitik eine bedeutende Rolle. Sie führten die Verhandlungen mit ausländischen Delegationen und bestimmten, wer von den Gesandten vor der Apella sprechen durfte.
Die Spartaner zeigten ihre Wertschätzung für die Ephoren, in dem sie das laufende Jahr nach dem Vorsitzenden der Ephoren nannten.
Die Ephoren wurden im Laufe der Zeit zu einflussreichen Beamten. Zwei von ihnen begleiteten auch die Könige bei deren Kriegszügen. Ob das der Überwachung des Herrschers diente, ist unbekannt. Auf jeden Fall sind Fälle bekannt, in denen die Ephoren schwere Strafen bis zur Verbannung gegen spartanische Könige aussprachen.
Dass die Ephoren ihre Macht nicht missbrauchten lag an ihrer einjährigen Dienstzeit, deren Verlängerung nicht möglich war. Genossen die Ephoren während ihrer Dienstzeit Immunität, erlosch diese nach einem Jahr. Jetzt konnten sie wegen Amtsvergehen belangt werden. Verdiente bzw. angesehene ehemalige Ephoren konnten nach ihrer Amtszeit zum Geronten ernannt werden.
Unter der Herrschaft der Makedonier und später und den Römern verschwand das Ephorat aus dem Leben Spartas.
Harmosten und Nauarchen
Die Spartaner eroberten in ihren Kriegen zahllose Siedlungen. Diese wurden durch Garnisonen gesichert. Der Standortkommandant wurde Harmost genannt. Sie konnten als ernannte Beamte auf Widerruf in ihren Gebieten die spartanische Politik eigenverantwortlich durchsetzen. Die Harmosten fielen aber oft dadurch auf, dass sie sich bereicherten und die zivile Bevölkerung unterjochten.
Die Flottenkommandanten, Nauarchen genannt, erhielten nach dem Peloponnesischen Krieg größeren Einfluss, nachdem die Seemacht Spartas über Athens Flotte gesiegt hatte. Ein Nauarch amtierte aber nur ein Jahr, und er musste Spartiate sein. Die Flotte verlor ihre errungene Machtstellung 371, als die Athener ihre Seemachtstellung zurückgewannen.
Militär
Spartas Macht wurde im Zweiten Messenischen Krieg ernsthaft bedroht. Neben sozialen und politischen Änderungen sah man sich auch beim Militär gezwungen, neue Wege zu gehen.
Die bisherige Kampfweise der Aristokratie, Mann gegen Mann in homerischer Heldentradition, hatte sich als Fehlschlag erwiesen.
Die Heere mussten größer werden, weite Teile der Bevölkerung sollten deshalb am Kampf teilnehmen. So wurde als taktisches Mittel die spartanische Phalanx erfunden. Es stand nicht mehr der Einzelkämpfer mit seinem Heldenmut im Blickpunkt, sondern eine Einheit von Truppenangehörigen. Diese Art der Kriegführung fand später auch in ganz Griechenland statt.
Zunächst wurde der Begriff Phalanx nur für die Schlachtreihe einer Einheit verwendet. Erste bildliche Hinweise auf diese Formation fand man auf Vasen aus der Mitte des siebten Jahrhunderts vor Christus.
Die Einheiten bestanden jetzt aus mehreren Reihen von Schwerbewaffneten. Es konnten acht und mehr Reihen in einer Phalanx sein.
Die Schwerbewaffneten wurden Hopliten genannt. Sie mussten ihr Ausrüstung selber finanzieren. Erstmals kämpften hier Adlige und wohlhabende Bürgersöhne Seite an Seite.
Die Kämpfer griffen in geschlossener Formation an. Die Soldaten waren zunächst nur mit Lanzen und Schilden ausgerüstet. Später kam das Schwert dazu. Die Schwachstelle einer Phalanx war deren rechte Seite. Die Krieger auf dieser Seite hatten keinen Kameraden, der sie auf der rechten Seite mit dem Schild deckte.
Während der Schlacht marschierten die gegnerischen Einheiten aufeinander zu und prallten zusammen. Kurz vorher warfen sie Speere, um Lücken in die Reihen des Gegners zu schlagen. Gelang das, brach deren Zusammenhalt auseinander. Die Manöver mussten vorher diszipiliniert geübt werden, weil es darauf ankam, dass sich die Einheit gleichmäßig bewegte und sofort den Kommandos folgte. Stürzte ein Soldat, wurde er gnadenlos von den eigenen Kameraden niedergetreten. Es durfte kein Anhalten geben.
Die Phalanx wurde von Reitern, Bogenschützen und Schleuderern an den Flanken gesichert. Einfache, nur mit Speeren bewaffnete Fußtruppen attackierten die gegnerische Phalanx.
Der Sänger Tyrtaios hatte in seinen Liedern die Phalanx besungen und hatte damit diese militärhistorische Entwicklung der Nachwelt erhalten. Die Musik spielte bei den Spartanern im Kampf eine Rolle, weil sie die Schrittgeschwindigkeit der Phalanx festlegte. Fiel ein Mann, rückte sofort der hinter ihm gehende Soldat vor. Die Reihen mussten geschlossen bleiben.
Einen Nachteil hatte der Angriff mit einer Phalanx. Man brauchte ein ebenes Schlachtfeld, damit die Manöver in geschlossener Formation durchgeführt werden konnten.
Der thebanische Feldherr Epameinondas schuf mit seiner Taktik der so genannten “zurückgezogenen Linie” ein berühmtes Manöver, dass die Phalanx der Thebaner lange unbesiegbar machte. Die Schlachten von Leuktra und Mantineia gegen die Spartaner zählten zu den großen thebanischen Siegen und bewiesen, dass die spartanische Phalanx nicht unbesiegbar war.
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