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Sklaverei
Ursachen
Mensch als Ware
Tätigkeitsfelder
Massen- versklavungen
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Massenversklavungen in der Antike
Die Versklavung der Einwohner griechischer Städte gehört zu den dunkelsten Kapiteln der antiken Kriegsgeschichte. Da es zu dieser Zeit kein institutionalisiertes Kriegsrecht gab, bekam der Sieger alles, Menschen wie Sachwerte. Häufig wurden eroberte Städte gänzlich zerstört und deren Einwohner in die Sklaverei verkauft. Menschen, die man nicht als Sklaven verwenden konnte, wurden ermordet.
Die Versklavung bzw. die Androhung derselben war in der Antike ein probates Mittel, um den Gegner zu zermürben. Wirtschaftlich dienten die Versklavungen auch der Finanzierung der Feldzüge. Unbekannt ist, wie im klassischen Griechenland die Sklaven verkauft wurden. Bekannt ist, dass die Gefangenen zu größeren Orten gebracht wurden, um auf deren Marktplätzen verkauft zu werden. Ob es zu dieser Zeit schon berufsmäßige Sklavenhändler gab, ist nicht bekannt.
Das Recht, Menschen zu versklaven, hatten häufig die siegreichen Feldherren. Ebenso konnte die Volksversammlung einer Stadt die Versklavung der Einwohner unterlegener Städte beschließen.
Athen benutzte Massenversklavungen als politisches Druckmittel in seinen Kriegen. Im Peloponnesischen Krieg wurden abtrünnige Bundesgenossen dadurch bestraft, dass die Frauen und Kinder der eroberten Städte in die Sklaverei verschleppt wurden. Die männlichen Einwohner wurden getötet. So geschehen 421 v. Chr. in Skione und 416 in Melos. Die Spartaner hatten ebenfalls keine Bedenken, dieselben Methoden anzuwenden, z. B. 427 v. Chr. in Plataiai.
Philipp II. von Makedonien übernahm diese Taktik griechischer Militärpolitik. Die Makedonen eroberten dutzende griechischer Städte. So schickte Philipp 348 v. Chr. über 10 000 Einwohner der eroberten Stadt Olynth in die Sklaverei. Sein Sohn Alexander führte dieses “einträgliche” Geschäft fort. Nachdem er 335 v. Chr. Theben besiegt hatte, ließ er 30 000 Einwohner in die Sklaverei schicken. Dafür erhielt er einen Erlös von 440 Silbertalenten.
Es waren nicht nur die Einwohner besiegter Städte von der Verschleppung in die Sklaverei betroffen. Im klassischen Griechenland wurden auch die Soldaten besiegter Heere in die Sklaverei verkauft. Wurde die Sklaverei in der griechischen Gesellschaft durchaus toleriert, fanden sich immer wieder Stimmen, die sich dagegen wehrten, dass Soldaten zu Sklaven erniedrigt wurden.
Athen schickte während des Peloponnesischen Krieges eine Flotte gegen das sizilische Syracus. Der Angriff scheiterte und das griechische Heer wurde in Gefangenschaft genommen. Fast alle Soldaten wurden versklavt und tausende wurden in die Bergwerke der Insel geschickt.
480 v. Chr. besiegte Gelon ein karthagisches Heer bei Himera. Die gefangenen Karthager wurden anschließend als Sklaven verkauft. Alexander der Große hatte ebenfalls wenig Skrupel gefangene griechische Söldner, die für die Perser gekämpft hatten, in die Sklaverei zu verkaufen.
Auch die Römer veranlassten in den Kriegen mit Griechenland Massenversklavungen. Im Ersten Makedonischen Krieg plünderten die römischen Legionäre die eroberten Städte und verschleppten die Einwohner in die Sklaverei.
Obwohl Massenversklavungen als militärische Mittel von den gegnerischen Parteien angewandt wurden, gab es im Dritten Makedonischen Krieg vom römischen Senat Bedenken gegen die eigenen Feldherren. Römische Truppen plünderten wertvolle Kunstschätze und brannten Städte nieder. Tausende wehrlose Menschen wurden von den Legionären umgebracht, darunter vor allem Alte und Kinder. Die übrigen Einwohner wurden in die Sklaverei verschleppt. So geschehen 171 v. Chr. in Haliartos durch römische Truppen. Roms Generäle schreckten auch nicht davor zurück, Angehörige der Oberschicht einer eroberten Stadt zu liquidieren.
170 v. Chr. wurde Abdera erobert und die verhandlungsbereiten Bürger durch die Legionäre ermordet bzw. versklavt. Der römische Senat ließ diese Versklavungen rückgängig machen.
Besonders brutal und hinterlistig verfuhr Aemilius Paullus. Er verurteilte die unterlegenden Molosser dazu, sämtliches Edelmetall abzuliefern. Die Molosser kamen diesem Befehl nach. Doch das schützte sie nicht vor der Willkür Roms. Aemilius Paullus ließ die Stadt von seinen Legionären plündern. Über 100 000 Molosser wurden zu Sklaven.
Mit dem Niedergang der römischen Republik begann in Griechenland das Ende der Massenversklavungen. Diese gab es nur noch in den Grenzkriegen, die Rom auf dem Balkan führte. Doch die römischen Politiker gingen von diesen Strafaktionen bald ab. Es war für das römische Imperium nützlicher, wenn man unterlegene Völker umsiedelte und für den Grenzschutz einsetzte.
Die Massenversklavungen waren in der Antike nicht nur auf Griechenland beschränkt. Erste Massenversklavungen werden auch aus etruskischer Zeit in Italien berichtet. Das aufstrebende Rom übernahm dieses Druckmittel gegen die Zivilbevölkerung.
Nachdem Hannibal besiegt worden war, endete in Italien die Zeit der Massenversklavungen. Sie sollten erst wieder während der Zeit der Völkerwanderung angewendet werden.
Die römischen Kaiser ließen aber weiterhin die Bürger unterworfener Städte in Gallien, Spanien, Afrika und Asien in die Sklaverei verkaufen, wenn es politisch nützlich erschien. Die Römer hatten dabei wenig Skrupel, weil sie doch nur gegen “Barbaren” kämpften. Damit folgten sie einer griechischen Sichtweise. Massenversklavungen gab es in Griechenland nicht, wenn Kriege zwischen Griechen stattfanden. So versklavten die Römer in den Bruderkriegen keine römischen Bürger, auch wenn sie auf der gegnerischen Seite gestanden hatten.
Julius Cäsar betrieb in Gallien besonders intensiv die Versklavung unterlegender Stämme. Antike Historiker berichten, dass Cäsar über eine Million Menschen versklavt haben sollte. Inwiefern diese Zahlen zutreffend sind, bleibt unter Historikern umstritten. Belegt ist z.B. das Schicksal der unterlegenen Atuatukern. 57 v. Chr. wurden 50 000 von ihnen in Cäsars Auftrag verkauft. Als Käufer traten dabei auch seine Legionäre auf.
Massenversklavungen waren immer ein politisches Druckmittel. Sowie es dem Sieger politisch günstig erschien, konnte er Versklavungen auch wieder zurück nehmen. So wurden zerstörte Städte wieder aufgebaut, und deren versklavte Einwohner frei gekauft und in ihrer Heimat angesiedelt. So geschehen mit der griechischen Stadt Stageira, der Geburtsstadt von Aristoteles. Alexander der Große wollte dadurch seinen Lehrer ehren.
Erst der römische Senat und die Volksversammlung überprüften die Handlungen der von ihnen beauftragten Feldherren. So wurden Versklavungen rückgängig gemacht, wenn es politisch opportun war.
Literatur:
Horsmann, Gerhard: Die Massenversklavungen der Einwohner eroberter Städte in der Hellenisch-Römischen Zeit 2., durchges. u. erw. Aufl. Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1990 (Forschungen zur Antiken Sklaverei ; 22.)
Klees, Hans: Sklavenleben im klassischen Griechenland Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1998 (Forschungen zur Antiken Sklaverei; 30.)
Schumacher, Leonhard: Sklaverei in der Antike : Alltag und Schicksal der Unfreien München: Beck 2001
Weeber, Karl-Wilhelm: Alltag im Alten Rom ; ein Lexikon. 3. Aufl. Düsseldorf: Artemis 1997
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Klaus Hylla
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