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Die römischen Provinzen : Gallia Narbonensis, Cilicia, Creta et Cyrenae

Gallia Narbonensis

Etwa 600 v. Chr. gründeten ausgewanderte Griechen die Stadt Massalia, d.h. Marseille. Von hier aus begann die Kolonisierung des westlichen Mittelmeerraums. Die Händler aus Massalia unterhielten Geschäftsbeziehungen von Hispania bis über das Rhonetal und nach Helvetia.

Um ihren Seehandel zu schützen, besaß Massalia eine wehrhafte Flotte. Das weckte die Aufmerksamkeit Karthagos, das gegen die missliebige Konkurrenz vorging. Massalia suchte daher Verbündete und fand sie bei der aufstrebenden Macht Rom.

Im Zweiten Punischen Krieg unterstützte Massalia daher die Römer im Kampf gegen Karthago. Im Gegenzug beschützten römische Legionäre die massaliotischen Handelsstützpunkte und Städte vor gallischen Angriffen, weil das Gebiet Massalias für Rom strategische Bedeutung besaß. Über die Küsten führte die wichtige Landverbindung zwischen Rom und seinen iberischen Provinzen.

In zahlreichen Feldzügen besiegten die Römer die südkeltischen Stämme. Etwa 121 v. Chr. wurde nach dem Sieg die römische Provinz Provinza gegründet. Hauptstadt wurde Narbo Martius, das heutige Narbonne.

Trotz des römischen Sieges kehrte kein Friede in der neuen Provinz ein. Kimbern, Teutonen und anderen Völker zogen mit ihren Heeren durch das Gebiet und bedrohten Rom. Außerdem erhoben sich die Salluvier, Volker und Allobroger immer wieder gegen Rom. Rom rang seine zahlreichen Widersacher blutig nieder und rottete dabei mehrere Stämme fast aus. Im Römischen Bürgerkrieg war die Provinz auch Kriegsschauplatz zwischen Pompeius und Caesar.

Mit Caesars Sieg begann der wirtschaftliche Aufschwung der Region. Er siedelte seine Veteranen aus den Legionen in Südgallien an und gründete zahlreiche Städte. So entstanden die heutigen Städte Arles, Viennes, Beziers und Frejus.

Die Neuorganisation der römischen Provinzen 27 v. Chr. durch Augustus betraf auch Südgallien. Die Provinz erhielt den neuen Namen Gallia Narbonensis und wurde senatorische Provinz, von einem Prätor verwaltet.

Die römische Kultur verdrängte nach und nach die gallische Lebensweise. Die Städte, durch ein engmaschiges Straßennetz verbunden, erlebten eine wirtschaftliche Blüte

Die Provinz verfügte über keine bedeutenden Bodenschätze. Wichtige Exportgüter waren Wein, Oliven, Obst und Käse. Weizen wurde zwar auch angebaut, spielte aber keine große wirtschaftliche Rolle. Wichtigstes Exportgut war aber die Keramikproduktion. Mehrere Manufakturen belieferten nicht nur Gallien, sie waren auch eine ernstzunehmende Konkurrenz für die italienischen Produzenten.

Mit dem Beginn der Völkerwanderung wurde die Provinz auch durch germanische Stämme bedroht. Diocletian teilte die Provinz in Narbonensis I. und Narbonensis II (Viennensis). 418 gründeten die Westgoten ihr Reich von Tolosa und beendeten damit die römische Zeit in dieser Region. Weitere Gebiete der ehemaligen Provinz fielen an die Ostgoten und Burgunder.

 

Cilicia

Wann die Provinz Cilicia gegründet wurde, ist unter Historikern umstritten. Die Region Kilikien war in der Antike das Rückzugsgebiet unzähliger Piraten. Zunächst wurden die Piraten von den Seleukiden erfolgreich bekämpft. Doch nach dem Ende des Seleukidenreichs, hatten die kilikischen Piraten zunächst keine ernsthaften Gegner mehr.

So stiegen die Piraten zu einer gefährlichen Macht auf. Sie plünderten nicht nur Handelsschiffe, sondern auch Städte und ganze Landstriche. Nebenbei trieben sie auch Handel und zwangen Städte, die Waren der Piraten auf den örtlichen Märkten zu dulden. Eine Ware der Piraten war im ganzen Mittelmeerraum hoch begehrt: Sklaven. Die auf ihren Raubzügen gefangene menschliche Beute wurde auf dem größten Sklavenmarkt des Mittelmeeres, Delos, zu Höchstpreisen verkauft. So duldete Rom die Piraten indirekt, weil das Imperium immer mehr Sklaven benötigte.

Ab 102 v. Chr. nahm das Piratenunwesen derart zu, dass Rom nun doch handeln musste. Erste Feldzüge wurden gegen die kilikische Küste unternommen. 80 v. Chr. wird der erste Statthalter der römischen Provinz Cilicia genannt. Doch es sollten noch über zwanzig Jahre vergehen, bis Pompeius 67 v. Chr. die Piraten bei Korakesion vernichtend schlug. Die überlebenden Piraten siedelte Pompeius im Mittelmeerraum an.

Für über 200 Jahre herrschte Frieden in der Region. Hauptstadt der Provinz wurde Tarsos. 260 drangen die Sassaniden in Cilicia ein, wenig später die Truppen der Königin Zenobia aus Palmyra. Weitere Völker aus dem Taurusgebiete drangen ebenfalls bis an die Küste Kilikiens vor. Diocletian ordnete auch diese Provinz neu: Cilicia I und II. Teile der Provinz Galatia wurden der kilikischen Provinz Isauria angegegliedert. Die feindlichen Einfälle hielten weiter an.

Creta et Cyrenae

Es erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, eine Insel mit einem Landesteil auf dem afrikanischen Kontinent zu einer Provinz verwaltungsmäßig zusammenzufassen.

Die Griechen gründeten auch im Gebiet des heutigen Lybien zahlreiche Handelsstädte, darunter auch Kyrene. Die Bewohner hatten zunächst ihre Unabhängigkeit, verloren sie aber an das Reich der Ptolemäer. Fortan war die Kyrenaika Streitobjekt in den Auseinandersetzungen der ptolemäischen Fürsten.

96 v. Chr. verstarb Ptolemaios Apion, der Vizekönig der Kyrenaika. Der Herrscher hatte keine Erben und vermachte Rom seinen Besitz. Rom übernahm nur das Vermögen und beließ den griechischen Städte ihre Freiheit. Doch die Städte wussten ihre Unabhängigkeit nicht zu würdigen. Ständige Querelen zwischen den Städten führten zur Gründung der römischen Kolonie Cyrenae (74 v. Chr.). An der Spitze stand nun ein römischer Quästor.

Wie Kilikien war auch die Insel Kreta ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. Heimatbasis von Piratenbanden. 69 v. Chr. fiel der römische Konsul Q. Caecilius Metellus mit seinen Legionen auf Kreta ein und zerstörte mehrere Städte, darunter auch Knossos. Die Piraten wurden entgültig besiegt. Ebenso wurden die Piraten an der Küste der Kyrenaika unterworfen. Zum Teil wurden die überlebenden Piraten in die Sklaverei verkauft bzw. in anderen Städten angesiedelt.

Die Römer gründeten nun die Provinz Creta et Cyrenae mit einem Proconsul an der Spitze.  Die kretische Hafenstadt Gortyn wurde Hauptstadt der Provinz.

Diocletian trennte später Kreta von der Provinz ab. Kreta wurde eine eigenständige Provinz. Die Cyrenaica wurde in die Provinzen Lybia superior und Lybia inferior aufgeteilt. Die beiden Provinzen waren auch unter dem Namen Pentapolis bzw. Sicca bekannt.

Aufstände lybischer Stämme, die Byzantiner und die Vandalen beendeten schließlich die römische Herrschaft in diesem Gebiet.645 fiel die Cyrenaica in arabische Hand.

Literatur:

Bechert, Tilmann:
Die Provinzen des Römischen Reiches : Einführung und Überblick
Mainz: von Zabern 1999
(Sonderbände der Antiken Welt; Orbis Provinciarum ; Zaberns Bildbände zur Archäologie.)

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