|
|
|
Die Feuerwehr im antiken Rom
Brände
Es brannte in Rom täglich. Die Zahl dieser Brände wird auf etwa 100 geschätzt, darunter bis zu zwei täglichen Großbränden. Die zahlreichen Brände wurden von der Bevölkerung als Alltag der Metropole hingenommen. Besonders gefährdet waren die innerstädtischen Gebiete um das Forum Romanum, das Marsfeld und der Palatin.
Die Wohnviertel bestanden aus bis zu sechsstöckigen Häusern, den insulae, deren Decken und Wände aus Holz bestanden. Mit der steten Zunahme der Bevölkerung wuchsen die Häuser bis zu sieben Stockwerken in die Höhe.
Nicht nur die dichte Bebauung führte zu großen Bränden. Viele Hausbesitzer missachteten Vorschriften und erhöhten damit die Brandgefahr. Da es keine Feuerversicherungen gab, bauten viele ihre Häuser preiswert und verwendeten dafür feuergefährliches Baumaterial. So sollte ein möglicher Verlust durch einen Brand gering gehalten werden.
Wegen der hohen Brandgefahr in Rom unterließ es mancher Bauherr, sein Haus in Rom zu bauen. Er blieb lieber im Umland.
Es brannte aber nicht nur in den Wohnvierteln der Armen. In den überlieferten Quellen wird auch immer wieder davon berichtet, dass öffentliche Gebäude und Häuser der Reichen dem Feuer zum Opfer fielen. Häuser brannten in Laufe der Republik und des Kaiserreichs mehrfach ab. So brannte die Curia, der Sitz des Senats, häufiger. So wurde schließlich an dieser Stelle die Curia Julia errichtet. Auch der Jupitertempel brannte zwei Mal nieder ( u.a. 83 v. Chr. u. 69 n. Chr.)
Erste Feuerwehren
In republikanischer Zeit gab es keine eigentliche Organisation, die mit der Brandbekämpfung beauftragt war. Die Bürger löschten entweder selbst oder wurden für den jeweiligen Brand zwangsverpflichtet. Es wird auch von Sklaven-Truppen berichtet, die bei der Brandbekämpfung eingesetzt wurden.
Die tresviri nocturni bewachten anscheinend die Tore und Mauern der Stadt Rom und übernahmen auch die Brandwache. Die von ihnen befehligten Sklaven wurden zeitweise zum Löschen eingesetzt. Genaueres ist über die Truppe aber nicht bekannt.
Von den römischen Beamten waren die Aedilen für die Brandbekämpfung zuständig. Da diese Beamten nur für ein Jahr im Amt waren, gab es keine Möglichkeit für eine kontinuierliche Organisation der “Feuerwehr”.
Eine weitere Methode, Feuer zu löschen, betrieb unter anderem der Triumvir Marcus Licinius Crassus. Er befehligte eine Truppe von mehr als 500 handwerklich begabten Sklaven. Diese Truppe rückte bei Bränden an, und Crassus erbot sich, den brennenden Bau und das Gründstück, sowie die gefährdeten Nachbarhäuser zu kaufen. Dabei bot er nur einen Spottpreis. Waren die Eigentümer der brennenden Häuser mit dem Kaufpreis einverstanden, löschten die Sklaven des Cassius die Brände. Dann wurden die Ruinen abgerissen und neue Gebäude errichtet. Ein lohnendes Geschäft. Inwiefern auch andere diesem Geschäftsprinzip nacheiferten, ist nicht überliefert.
Die erste reguläre Feuerwehr wurde von dem Aedil Egnatius Rufus gebildet. Zunächst finanzierte er die Einheit aus seinen eigenen Mitteln. Später wurden ihm die Gelder erstattet. Die Römer wussten die Bemühungen des Beamten zu schätzen. Der nutzte seine Beliebtheit in der Bevölkerung für seine politische Karriere. Dies missfiel aber Augustus, der den unliebsamen Konkurrenten 19 v.Chr. hinrichten ließ. Augustus sah aber die Notwendigkeit einer Feuerwehr ein und übertrug diese Aufgabe 23 v. Chr. den vici magistri. 600 Sklaven wurden nun als Löschtruppe eingesetzt.
Die Vigiles
Diese Regelung galt bis ins Jahr 6 n. Chr. In diesem Jahr wüteten so viele Brände in der Stadt, dass sich Augustus zur Reorganisation der Feuerbekämpfung entschloss. Zunächst unterteilte er die Stadt in 14 regiones (Bezirke), die noch in weitere Untergliederungen aufgeteilt wurden.
Über die Mannschaftsstärke liegen keine eindeutigen Zahlen vor. Es gibt Hinweise, dass die Feuerwehr zwischen 3500 bis 7000 Mann umfasste. Die Einheit wurde Vigiles genannt. Sie rekrutierte sich aus freigelassenen Sklaven. An der Spitze stand ein Tribun und ihm war der Kommandant, der praefectus vigilum, unterstellt. Die Vigilis wurde in sieben Kohorten aufgeteilt, die für die Überwachung von je zwei aneinander grenzenden regiones zuständig waren. Stationiert waren die Kohorten in so genannten stationes und excubitoriae.
Die Vigiles gingen vor allem nachts auf Streife, wobei sie die Brandschutzbestimungen, aber auch die Türen und Tore der Häuser überprüften, ob diese auch verschlossen waren. Damit sollte den Einbrüchen vorgebeugt werden. Augustus und Trajan überließen dem Praefectus vigilum zum Teil die Rechtsprechung bei Brandstiftungsprozessen.
Wurde die Brandbekämpfung in Rom vom Staat organisiert, verblieb diese Aufgabe im übrigen Weltreich in privater Hand. In vielen Städten übernahmen Handwerksverbände den Brandschutz und die Brandbekämpfung. Daneben wurden auch aus Freiwilligen zusammengesetzte Löschtrupps gebildet, die zeitweise Wache hielten.
Augustus stellte nicht nur die Feuerwehr auf, er erließ auch zahlreiche Bauvorschriften, die dem Brandschutz dienen sollten. Brandschutzmauern wurden errichtet, und öffentliche Gebäude durften keine gemeinsamen Wände mit anderen Häusern haben. Außerdem wurden die Straßen erweitert, wenn es möglich war, und die Höhe der Häuser beschränkt. Bei Trajan durften Gebäude nur 18 Meter hoch sein. Die Mieter in den insulae mussten Wasser und Löschwerkzeug zur Brandbekämpfung vorrätig halten.
Risiko
Die Feuerbekämpfung war in der Antike für die Vigiles besonders gefährlich. Die Gebäude bestanden zum großen Teil aus Holz und brachen deshalb schnell zusammen. In den Altstädten standen die Häuser so dicht zusammen, dass sich das Feuer schnell ausbreiten konnte.
Die öffentlichen Gebäude bestanden zwar aus Marmor, doch auch diese waren bei Feuer einsturzgefährdet, weil sich der Marmor unter Hitze zu Gips umwandelte und damit das Haus den Halt verlor. Säulen aus anderen Steinarten waren mit Metallklammern verbunden, diese schmolzen unter großer Hitzeentwicklung, und die Säulen brachen auseinander.
Unter diesen Umständen musste die Zahl der verletzten bzw getöteten Feuerwehrmänner sehr hoch gewesen sein. Das belegen aufgefundene Grabinschriften.
Löschgeräte
Folgende Löschgeräte wurden in der Antike verwendet:
Schläuche, wahrscheinlich aus Leder
Essig zum Löschen
Feuerspritzen waren seit 250 v. Chr. bekannt. Unter anderem wurden dafür tragbare Wassersäcke benutzt. Der Grieche Ktesilios erfand in dieser Zeit eine gut funktionierende Kolbenpumpe.
Eimer aus Metall oder Leder
Literatur:
Kurt Wallat: Sequitur clades: Die Vigiles im antiken Rom Peter Lang 2004 (Studien zur klassischen Philologie; 146.)
>zurück<
|