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Der Untergang des Römischen Reiches
Für die Historiker endete am 28. August 476 die Geschichte des Römischen Weltreichs. An diesem Tag setzte der germanische König Odoaker den jungen römischen Kaiser Romulus Augustus ab. War das aber die einzige Ursache für das Ende Roms oder begann der Niedergang schon früher?
Seit Jahrhunderten wird über die Gründe spekuliert. Unzählige Theorien wurden aufgestellt, um die Ursachen für den Untergang des einstigen Weltreichs zu finden. Dieser Beitrag soll wahrscheinlichere Gründe kurz darstellen.
Germanen
Zunächst standen die Römer den Germanen skeptisch gegenüber. Die Römer betrachteten die Bewohner der Wälder jenseits des Rheins und der Alpen als Barbaren. Andererseits sahen einige Schriftsteller wie Tacitus auch Charakterzüge bei den Germanen, die bewunderungswürdig waren. So lobte er die Kraft der Germanen und die Sittsamkeit ihrer Frauen. Damit kritisierte er durch diese Schilderung der Germanen die beginnende Sittenlosigkeit im Römischen Imperium.
Zahllose Germanen dienten bald als Legionäre und zeichneten sich dabei durch ihre Tapferkeit aus. Dabei lernten die Germanen nicht nur das römische Militär kennen, sondern auch die Qualitäten der römischen Kultur. Die Römer wussten die Germanen als Söldner zu schätzen. Gegen gutes Geld waren die germanischen Krieger auch bereit, gegen die eigenen Landsleute zu kämpfen.
Dadurch erlangten die Germanen im Römischen Reich einflussreiche Stellungen, nicht nur beim Militär, sondern auch im Zivilleben. Den Germanen wurde auch das Römische Bürgerrecht nicht verwehrt, wenn sie sich für das Imperium eingesetzt hatten. Für die Römer war das eine pragmatische Lösung.
Die Rolle der Germanen im Römischen Heer wuchs im Lauf der Jahrhunderte, in dem sie häufig Offiziersposten erhielten. War das römische Heer zunächst ein Bürger- und Bauernheer, wandelte es sich ab 100 v. Chr. zu einem Söldnerheer. Die Söldner verbanden ihr Schicksal oft mit ihrem Feldherrn und folgten ihm und dessen Politik willig, sofern das Geld stimmte. Auch germanische Truppen waren durchaus bereit, die Seiten zu wechseln, wenn es ihren Häuptlingen günstig erschien.
Die Feldherrn nutzen die Loyalität ihrer Truppen für die eigenen politischen Ziele. Im Lauf der Jahrhunderte kam es deshalb immer wieder dazu, dass Söldner ihre Feldherrn zum Kaiser ausriefen. Der Höhepunkt dieser Zeit der Soldatenkaiser waren die Jahre von 235 bis 284, in denen 70 verschiedene Kaiser in Rom herrschten. Mit dem Zerfall des Reiches während der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert rissen viele lokale Feldherrn die Macht an sich und gründeten eigene Reiche. Darunter waren zahlreiche germanische Fürsten. So kam auch Odoaker an die Macht und verwandelte Italien in ein germanisches Königtum.
Niedergang der römischen Gesellschaft
Der Zusammenbruch Roms hatte für Europa fatale Folgen: Der Handel brach zusammen, und die Geldwirtschaft verschwand. 200 Jahre herrschte wieder der Tauschhandel vor. Technische Fähigkeiten gingen weitgehend verloren.
Als ein weiteren Grund für den Untergang Roms nennen Historiker die zunehmende Dekadenz in der Gesellschaft. Mit der Kaiserzeit wendeten die Römer sich von den alten Traditionen und Werten ab und wollten das Leben genießen. Die römischen Kaiser ab Tiberius gaben dem Volk “Brot und Spiele” als kostenloses Amüsement. Ausschweifungen jeglicher Art beherrschten den Alltag der reichen Bürger. Doch obwohl Rom sich dem Sittenverfall hingab, wuchs das Reich in dieser Epoche weiter an und erreichte seine größte Ausdehnung.
So kann man den moralischen Verfall der Römer eigentlich nicht als eine wesentliche Ursache für den Untergang annehmen.
Bevölkerungsrückgang
Im Zug des Wertewandels und der Zunahme des Wohlstands setzte bei den Römern ein Geburtenrückgang ein, und die Gesellschaft wurde älter. Vergleiche zu unserer heutigen Zeit drängen sich dabei durchaus auf.
Augustus wollte diesen Geburtenrückgang entgegensteuern. Kinderreiche Ehepaare wurden steuerlich begünstigt. Kinderlose zahlten mehr Steuern. Doch diese und andere Bestimmungen zeigten nicht die erwünschten Wirkungen. Der Wohlstand ließ die Geburtenrate weiter sinken. Auch das kann man heute in den Industrieländern beobachten. Um das Reich nicht noch mehr zu schwächen, erhielten daher immer mehr Menschen das römische Bürgerrecht.
Soziale Unterschiede
Ein weiteres Argument für den Niedergang Roms galt vielen Historikern die riesige Kluft zwischen Arm und Reich. Trotz dieser Unterschiede kam es aber nachweislich zu keinen sozialen Unruhen während der Kaiserzeit. Vielleicht bedingt durch die Politik von “Brot und Spiele” oder weil die römische Gesellschaft Karrieren vom “Tellerwäscher zum Millionär” ermöglichte. Ehemalige Sklaven und Gladiatoren konnten durchaus zu Ruhm und Reichtum gelangen. In deser Beziehung war die Gesellschaft durchlässig.
Die Völkerwanderung
Historiker listen die verschiedendsten Gründe auf, die zur Völkerwanderung geführt haben könnten. Im vierten und fünften Jahrhundert verschlechterte sich das Klima nördlich der Alpen. Zusätzlich wuchs die Bevölkerung der germanischen Stämme deutlich an. Durch ihre Handelskontakte und durch germanische Legionäre erfuhren die Völker von den Vorzügen der römischen Kultur. Gleichzeitig drangen aus den asiatischen Steppen die Hunnen nach Westen vor und vertrieben unzählige Stämme aus ihren Siedlungsgebieten. Die Goten, Wandalen, Kelten, Franken u.a. drängten im Laufe der Jahrhunderte über die Grenzen des Römischen Imperiums und gründeten eigene Reiche.
Warum Rom diesem Ansturm so relativ hilflos gegenüber stand, ist für Historiker auch heute noch ein Rätsel. Die römische Stärke war es gewesen, bei existenzbedrohender Gefahr sich zu einem Kraftakt aufzuraffen und die Feinde zu besiegen. Diesmal kam es nicht dazu. Vielleicht lag es daran, dass Rom nicht mehr die kulturellen Traditionen der Antike besaß. Das Christentum, seit Konstantin dem Großen Staatsreligion, verdrängte die alten Götter und Kulturen. Unsicherheit machte sich in der Bevölkerung Roms angesichts dieses Wertewandels breit.
übrig blieb schließlich nur Ostrom mit seiner Hauptstadt Konstantinopel. Erst 1453 fiel schließlich die letzte “römische Bastion”.
Legitimationsprobleme (Die Herrschaft der Soldatenkaiser)
Mit dem Beginn der Zeitenwende herrschte Rom über den Großteil der damals bekannten Welt. Gegner schien es zunächst nicht mehr zu geben. Die aufrührerischen Germanen hatten zwar die Römer im Jahr 9 im Teutoburger Wald besiegt, doch waren die germanischen Stämme durch ihre Uneinigkeit nicht in der Lage, Rom zu diesem Zeitpunkt ernsthaft zu bedrohen.
Nur im Osten des Römischen Reiches fanden die Römer einen gefährlichen Gegner in den Parthern. Mit dem Beginn des dritten Jahrhunderts veränderten sich die politischen Verhältnisse in Europa und Asien.
Rom stürzte nach der Ermordung Commodus´(192) in eine tiefe innenpolitische Krise, als mehrere Feldherrn um die Macht im Reich zu kämpfen begannen. Gestützt auf ihre Legionen ließen sie sich zu Imperatoren ausrufen. Die Zeit der Soldatenkaiser brach an.
Auch bei den germanischen Völkern veränderte sich die Herrschaftsform. Die Macht der regionalen Fürsten wich der Herrschaft eines mächtigen Königs. Der König vereinigte die Stämme seines Volkes und sorgte dadurch für ein Anwachsen der militärischen und politischen Macht. Einer dieser ersten mächtigen Könige der Goten war Kniva, der die Römer in Thrakien um 250 erfolgreich bekämpfte.
Im östlichen Mittelmeerraum hatten die Sassaniden die Parther verdrängt. Der Kampf zwischen der neuen Macht und Rom sollte sich über vier Jahrhunderte erstrecken.
Um ihre Macht zu sichern, konnten die römischen Kaiser in dieser Epoche nicht von Rom aus die Regierungsgeschäfte führen. Sie waren oft bei ihren Legionen, um die ihre Herrschaft in den Regionen zu sichern, bzw. Gegner abzuwehren, die die Grenzen überschritten hatten. Die römischen Kaiser konnten diese militärische Aufgabe nicht immer deligieren, weil sie damit rechnen mussten, dass ein siegreicher Feldherr sich als Konkurrent erweisen könnte.
Mit dieser Art Krieg zu führen, gefährdeten sich aber die Kaiser. Mehrere Kaiser fielen in den Kämpfen bzw. wurden von ihren Feldherren getötet, wenn sich das Kriegsglück gewendet hatte.
Als Folge dieser Kämpfe zwischen verfeindeten Legionen herrschten in weiten Teilen des Reiches häufig bürgerkriegsähnliche Unruhen. Die zahlreichen Kriege sorgten auch dafür, dass die Wirtschaft in einzelnen Regionen zusammenbrach, und das Geld seinen Wert verlor.
Um ihre Herrschaft zu sichern, gaben die Kaiser einzelnen Statthaltern der Grenzprovinzen mehr Eigenverantwortung, damit sie effektiver die Grenzen sichern sollten. Obwohl die Gefahr bestand, dass sich der Kaiser damit einen mächtigen Gegner im eigenen Lager heranzog.
Um das Reich effektiver zu verwalten und die kaiserliche Macht präsenter zu halten, teilten die Kaiser die Herrschaft im Reich auf. Kaiser Valerian ernannte deshalb seinen Sohn Gallienus zum gleichberechtigten Kaiser des westlichen Reichsteils.
Eine weitere Möglichkeit, sich die Macht zu sichern, waren religiöse Kulte, die die Kaiser sich zunutze machen wollten. So nutzte Kaiser Konstantin das aufstrebende Christentum dazu, seine Macht zu legitimieren.
Fazit:
Ein eindeutige Ursache für den Zusammenbruch Roms ist nicht zu finden. Es wird eine Mischung aus den unterschiedlichsten Gründen gewesen sein. Vielleicht war Rom auch irgendwann zu groß geworden und brach deshalb unter seiner Größe zusammen. Niemand weiß es.
Literatur:
Günther Klein: Kampf um Rom : Das langsame Sterben einer Weltmacht in: Hans-Christian Huf (Hrsg.): Imperium : Vom Aufstieg und Fall großer Reiche Econ 2004
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