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Maschkan-schapir :
eine mesopotamische Stadt

 

Im Irak finden sich heute zahlreiche Hügel (Tell genannt), die aus dem Schutt untergegangener Städte bestehen. Zahlreiche Funde dokumentieren die Geschichte ihrer Städte. Auf Tontafeln fanden sich unzählige Dokumente über das Leben der Menschen Mesopotamiens.

Bei den Ausgrabungen stieß man auf zahllose Schuttschichten, die schwer einzelnen Epochen zuzuordnen waren. Archäologen konnten oft nur einzelne Ausschnitte genauer datieren.

Die Sozialwissenschaftler gehen davon aus, dass sich die Gesellschaftsform einer Epoche an seinem Bauten und deren Verteilung in einer Stadt ablesen lässt.

Zentrale Regime hatten ihre Verwaltungsgebäude und Tempel dicht an einem Ort, an dessen Grenze die Wohlhabenden lebten. Bei dezentralen Systemen lagen die Gebäude und die Stadtviertel der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten über die Stadt verteilt.

Die Autoren dieses Artikels (s.u.) suchten die Überreste einer Stadt, die über die Gliederung einer mesopotamischen Siedlung Aufschluss geben sollte. Damit man ein eindeutiges Ergebnis erzielen konnte, sollte die Stadt nur während einer kurzen Zeit besiedelt und danach aufgegeben worden sein. Dadurch sollte es keine übereinanderliegenden Schuttschichten mehrerer Epochen geben.

Die Stadt Maschkan-schapir, nördlich von Nippur, entsprach genau diesen Bedingungen. Die Stadt wuchs im Laufe von 200 Jahre an und wurde zur Metropole, bevor sie 1720 v. Chr. wieder aufgegeben wurde, nachdem sich die politische Lage verändert hatte. Die Stadt war neben Larsa bedeutend für den Handel und die Religion.

Maschkan-schapir war von einer Stadtmauer aus Lehmziegeln umgeben, die drei Stadttore hatte. Im Südosten der Stadt wurde eine Freifläche gefunden, die wahrscheinlich ein Marktplatz gewesen sein könnte.

Kanäle unterteilten die Stadt in einzelne Bezirke. Straßen verliefen zum Teil parallel zu den Kanälen. Auch Brückenfundamente und Kaianlagen wurden gefunden.

Zwei weitere Mauern innerhalb der Stadt trennten weitere Gebiete ab. Im Süden der Stadt wurden die Reste eines Tempels gefunden, der dem Gott Nergal geweiht war. Man fand hier Reste von Terrakotta-Statuen. Der Tempel war als Zikkurat erbaut worden und damals schon von weit her zu sehen.

In der Mitte der Stadt fand man die Überreste eines Friedhofes. Eine Mauer trennte die Gräber von der übrigen Siedlung, und man vermutet, dass hier priviligierte Bürger begraben wurden. Andere Gräber fand man, wie in vielen anderen mesopotamischen Städten inmitten der Wohngebiete.

Im Westen befanden sich die Verwaltungsgebäude am Rand der Stadt. Die regelmäßigen Grundrisse und zahlreiche gefundene Siegel deuten darauf hin.

Die Wohnbezirke zeichneten sich durch willkürlich ausgerichtete Gebäude aus. Die verschiedenen sozialen Schichten lebten hier nebeneinander über die Stadt verteilt. Im Süden waren viele Handwerker tätig, die in ihren Öfen Töpferwaren und Kupfer bearbeiteten. Einzelne Handwerkerbetriebe waren auch in der ganzen Stadt verteilt.

Maschkan-schapir hatte also keinen zentralen Bereich an dem sich der Tempel und der Palast befanden. Diese beiden Bereiche waren hier räumlich getrennt in verschiedenen Stadtteilen.

Literatur:

Elizabeth C. Stone u. Paul Zimansky:
Die innere Organisation einer mesopotamischen Stadt

in

Frühe Stadtkulturen
Heidelberg: Spektrum, Akademischer Verlag 1997
(Beiträge aus Spektrum der Wissenschaft.)

 

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