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Biographie

Christliche Kirche

Konstantinische Schenkung

Der Gesetzgeber

Idol späterer Jahrhunderte

 

 

Konstantin I. (der Große)

Konstantin I. und die christliche Kirche

Kaiser Galerius hatte erkannt, dass die Repressalien gegen die Christen die neue Religion nicht an der weiteren Ausbreitung hindern konnten. Die Verfolgungen wurden eingestellt. Das Christentum erhielt eine gleichberechtigte Stelle neben den anderen religiösen Kulten. Jeder Bürger des Reiches durfte die Religion ausüben, zu der er sich bekannte.

Konstantin I. und Licinius formulierten im Mailänder Toleranzedikt von 313 deutlicher die Religionsfreiheit, ohne dabei aber das Christentum als Staatsreligion zu bestimmen. Christen, deren Eigentum in der Zeit der Verfolgungen konfiziert worden war, sollten ihren Besitz zurück erhalten.

Bemerkenswert ist, dass die Anzahl der Christen in der Bevölkerung des Römischen Reiches zu dieser Zeit eher gering war. Christen fand man häufiger in den Städten als auf dem Land.
Konstantin verehrte zunächst heidnische Götter wie Apollon und den Sonnengott Sol. Als er während seiner Vision ein Kreuz am Himmel sah, ließ er die Initialen Christi (XP) auf die Schilder seiner Legionäre malen. Unter diesem Zeichen gewann Konstantin die Schlacht an der Milvischen Brücke.

Ob Konstantin dadurch ein bekennender Christ wurde, ist unter Historikern umstritten. Nach diesem Sieg begann er aber damit zahlreiche Kirchenbauten finanziell zu unterstützen.

Die Münzen einer Epoche waren immer ein Spiegelbild des herrschenden Kaisers. Obwohl Konstantin I. die Christen förderte, waren seine Münzen in ihrer Gestaltung noch den imperialen Vorbildern nachempfunden. Während seiner Herrschaft tauchte nur selten das christliche “XP” auf Münzen auf.

Der ihm zu Ehren errichtete Konstantin-Bogen in Rom erinnerte zwar an die göttliche Vision, die den Sieg prophezeit hatte, erwähnte aber nicht ausdrücklich den Gott der Christen.

Konstantin beschränkte seine finanzielle Unterstützung nicht nur auf die Christen, er förderte weiterhin auch andere Kulte im Römischen Reich. Konstantin führte auch weiterhin den Titel “pontifex maximus”, in dessen Ausführung er für alle religiösen Kulte verantwortlich war. Er schloss während seiner Regierungszeit nur wenige heidnische Tempel. So wurde der Venus-Tempel in Jerusalem abgerissen, weil sich an seinem Platz das Grab Jesu befunden haben sollte. Konstantin I. ließ an dieser Stelle die Grabeskirche errichten.

Konstantin I. glaubte daran, dass die Religion für einen Staat wesentlich sei. So verlangte er auch, dass sein Glaube an den christlichen Gott von den Römern akzeptiert wurde.

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte siegten aber die christlichen Vorstellungen, die eben keinen anderen Glauben mehr zuließen, wahrscheinlich nicht unbedingt so, wie es sich Konstantin I. gewünscht hätte. Die Kirche dankte dem Kaiser dadurch, dass sie ihn nach seinem Tod als Heiligen verehrte.

Die konstantinische Schenkung

Die Kirche nutzte den historischen Rang Konstantin I. noch Jahrhunderte nach dessem Ableben. Ende des achten Jahrhunderts tauchte eine Urkunde auf, nach der Konstantin die Oberhoheit der Kirche in Rom und über allen anderen Religionen schriftlich bestätigte. Damit wollte die Kirche auch ihre weltliche Herrschaft über den Westteil des Römischen Reiches legitimieren.

Konstantin I. wollte sich laut der Urkunde auf den östlichen Teil des Reiches beschränken. Der aus dieser Urkunde hergeleitete Anspruch auf die weltliche Herrschaft, wurde in der Auseinandersetzung der Päpste mit den deutschen Königen während des Investiturstreits noch einmal als Grundlage päpstlicher Politik genommen.

Es gibt verschiedene Legenden über die Entstehung der “Konstantinischen Schenkung”. Die Kirche verbreitete die Version, dass Konstantin I. dem Papst Silvester I. aus Dankbarkeit die Schenkung vermacht haben sollte. Der Papst hätte den Herrscher getauft und von der Pest geheilt.

Andere sahen in der so genannten “Pippinschen Schenkung” einen Vorläufer der Konstantinischen Urkunde.

Doch diese Urkunde “Die Konstantinische Schenkung” ( = Constitutum bzw. donatio constantini) war eine Fälschung, die erst Jahrhunderte später von der katholischen Kirche bestätigt wurde.

Konstantin I., der Gesetzgeber

Er war davon überzeugt, dass man alle Lebensbereiche durch Gesetze regeln konnte. Die Einhaltung der Gesetze war für ihn Voraussetzung für die Ordnung innerhalb des Staates. Ohne Achtung vor dem Gesetz herrsche nur Anarchie, so Konstantin. So wurde er einer der großen Gesetzgeber in der Geschichte.

Die christliche Kirche erhielt zahlreiche Rechte eingeräumt. So waren christliche Einrichtungen von mehreren Steuern befreit, und ihre Bischöfe durften Schiedsgerichte einrichten. Sklaven durften in christlichen Kirchen auch um ihre Freiheit bitten, was ihnen bis dahin nur an den Altären der antiken Götter möglich war. Die weltliche und die kirchliche Gerichtsbarkeit wurden gleichberechtigt.

Konstantin I. erließ auch Gesetze über die Sonntagsruhe. Während der Kaiserzeit wurde im Römischen Reich die Siebentage-Woche eingeführt. Ein Feier- bzw. Ruhetag war der Tag des Saturn, der unserem Sonnabend entsprach. Seit den Severer-Kaisern gewann aber der Kult des Sonnengottes Sol immer mehr an Bedeutung. Konstantin I. hob deshalb den Tag des Sol (= Sonntag) hervor. Er sollte der Ruhe und dem Gebet dienen.

Konstantin war zwar der erste christliche Kaiser, aber viele seiner Gesetze entstammten immer noch der antiken und damit heidnischen Welt. So hatte er nichts dagegen, dass Sklaven gebrandmarkt und Verurteilte durch das Kreuz hingerichtet wurden.

Konstantins fester Glaube an das Gesetz, das für einen geregelten Zusammenhalt des Staates unabdingbar war, führte auch dazu, dass er keinen Streit in der Kirche wollte und duldete. Der Glaube sollte allgemeingültig in der Kirche sein. So unterstützte er das Konzil von Nicaea, in dessen Folge er gegen so genannte Häretiker vorging. Konstantin verbot diesen Glaubensrichtungen die Ausübung ihrer Kulte und entzog ihnen gewährte Privilegien. Auch der Besitz dieser Kirchen wurde eingezogen.

Gleichzeitig war Konstantin als pontifex maximus Vorsteher der römischen Priesterschaft und förderte deren Kulte und Bauten. Die christlichen Bischöfe versuchten aber immer wieder, gegen diese Funktion des Kaisers anzugehen. Doch Konstantin, obwohl er sich als Christ bezeichnet haben würde, wollte das friedliche Nebeneinander der Kirchen im Reich.

Den Juden gewährte Konstantin I. nicht so viel Toleranz. Er verbot den Juden ihren Glauben zu missionieren.

Konstantin I.: Idol späterer Jahrhunderte

Nicht nur die Kirche berief sich auf Konstantin I. Mehrere Kaiser in Konstantinopel führten später ihre Herkunft auf den ersten christlichen Kaiser zurück. Auf Münzen prägten sie auch Hinweise auf Konstantin I. Die Herrscher feierten sich auch als eine “Neuer Konstantin” (= constantinus novum).

Die Kreuz-Vision vor der Schlacht inspirierte mehrere spätere Herrscher in West und Ost, die unter diesem Symbol ihre Siege feierten, die dadurch den göttlichen Segen bekommen sollten.

Bewunderer fand Konstantin I. bis ins 20. Jahrhundert. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. schenkte z.B. dem Papst anlässlich der 1600. Wiederkehr des Mailänder Toleranzediktes eine mit einem Kreuz versehene Heeresfahne.

Im faschistischen Italien fand Konstantin in Mussolini einen weiteren Bewunderer, der seinen Marsch auf Rom rückwirkend auf den Jahrestag der Schlacht an der Milvischen Brücke datierte.


Literatur:

Damals ( Zeitschrift) 6 / 2007
Konradin Medien gmbH 2007

Der Brockhaus: Geschichte; Personen, Daten, Hintegründe
2., überarb. u. aktual. Aufl.
Mannheim: Brockhaus 2006