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Jugend
Auf dem Weg zur Macht
Blutiger Terror
Holocaust
Attentat und Lidice
Attentäter
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Reinhard Heydrich
Organisierter Terror: SD und Gestapo
Jugend
Die Eltern von Reinhard Heydrich gehörten um 1900 zu den angesehenen Bürgern der Stadt Halle. Bruno Heydrich hatte in Halle ein Konservatorium gegründet und leitete es erfolgreich. Seine Frau Elisabeth war Lehrerin am Konservatorium.
Am 7. März 1904 wurde ihr Sohn Reinhard geboren. Die Eltern waren hauptsächlich mit ihren Tätigkeiten am Konservatorium beschäftigt, so dass wenig Zeit für den heranwachsenden Sohn blieb. Zuneigung bekam Reinhard Heydrich nicht von den Eltern.
Reinhard Heydrich war an der Schule stets ein Einzelgänger, der oft gehänselt wurde. Einen Ausgleich fand er nur im Violinspiel und im Sport. Als Degen- und Säbelfechter sollte er später sportliche Anerkennung finden.
Er wuchs in einem bürgerlichen Haushalt auf, der von nationalkonservativen Vorstellungen geprägt war. Die Treue zum Kaiser und dem Vaterland zeichnete das Elternhaus aus. Daraus folgte die Begeisterung Heydrichs für das preußische Militär. Im Elternhaus verkehrte Felix Graf von Luckner, den Heydrich sehr bewunderte.
Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte die Familie um ihren Wohlstand. In den Wirren des Zusammenbruchs des Kaiserreichs übernahmen kommunistische Truppen die Herrschaft in Halle. Heydrich, obwohl noch zu jung, wurde in einem Freikorps aufgenommen. Die Freikorps waren Verbände von nationalkonservativen Soldaten und Offizieren, die gegen die von Soldatenräten beherrschten Soldaten- und Matroseneinheiten kämpften. Im März 1919 rückte das Freikorps Maercker in Halle ein und schlug den Aufstand der Spartakisten nieder. Heydrich diente in weiteren Freiwilligen-Einheiten als Melder.
Heydrich absolvierte 1922 sein Abitur und ging unmittelbar nach Schulabschluss zur Marine nach Kiel. Wie in der Schule war er auch bei der Marine ein Außenseiter, der häufig verspottet wurde. Heydrich spielte in seiner Freizeit Violine und fiel dabei Wilhelm Canaris auf, der zu dieser Zeit Korvettenkapitän war. Canaris lud den jungen Oberfähnrich Heydrich zu seinen Empfängen ein. Während dieser Abende wurde den Gästen Hausmusik geboten, und Heydrich gefiel durch sein Violinenspiel. Auf diese Weise erhielt Heydrich Zugang zur gehobenen Gesellschaft.
Canaris betonte in den Gesprächen mit Heydrich immer wieder, dass es wieder ein starkes und bewaffnetes Deutschland wieder geben müsste; Ideen, die Heydrich begrüßte. Heydrich diente in den weiteren Jahren als Nachrichtenoffizier und erreichte dabei den Rang eines Oberleutnants.
Heydrich, ein begeisterter Segler, besuchte häufig die Hanseatische Yachtschule in Neustadt, deren Mitglieder überzeugte Anhänger eines neuen starken Deutschlands waren - eine Gesinnung, die Heydrich teilte. Heydrich lernte im Dezember 1930 Lisa von Osten kennen und beide verlobten sich spontan wenige Tage später. Diese Verlobung missfiel der örtlichen Marineleitung, weil Heydrich bereits mit einer anderen Frau verlobt gewesen sei. Er musste vor einem Ehrengericht der Marine erscheinen und sich rechtfertigen. Er bestritt die Vorwürfe. Sein Verhalten vor den Offizieren wurde als ungebührlich empfunden. Am 1. Mai 1931 wurde Heydrich aus der Marine entlassen.
Die Vorgänge vor dem Ehrengericht sind durch Dokumente nicht belegt. So gab es in den Jahren nach dem Krieg die verschiedensten Theorien über Heydrichs Ausscheiden aus der Marine.
Heydrichs Träume von einer Karriere beim Militär waren zerstoben, und seine finanzielle Situation war hoffnungslos. Der Sohn seiner Patentante, Friedrich Karl von Eberstein, machte Heydrich auf eine kleine Abteilung der SA aufmerksam: die SS Heinrich Himmlers.
Die SS war zu dieser Zeit der SA Röhms unterstellt. Heinrich Himmler suchte einen “Nachrichtenmann” für die SS. Um eine Anstellung bei der SS zu bekommen, musste man Mitglied der NSDAP sein, deshalb trat Reinhard Heydrich am 1. Juni 1931 in die Partei ein. Wenige Tage später traf er Himmler. Hitler hatte Himmler am 6. Januar 1929 zum Reichsführer-SS ernannt. Himmler begann sofort aus der als Leibwache Hitlers konzipierten SS eine machtbewusste Truppe aufzubauen. Der Reichsführer-SS suchte eigentlich keinen Funkoffizier, wie Heydrich es war. Himmler brauchte einen Fachmann, der einen Nachrichtendienst in der NSDAP aufbauen sollte. Doch Heydrich konnte den SS-Obersten überzeugen.
Auf dem Weg zur Macht
Zwei Monate nach seiner Aufnahme in die SS begann Heydrich in München einen Nachrichtendienst aufzubauen. Die Organisation firmierte zunächst unter der Bezeichnung “Ic” und war die Keimzelle des späteren SD. Die Aufgabe des Ic war die Überwachung der SS-Angehörigen und der politischen Gegner. Heydrich erwies sich dabei als begabter Organisator. Bald wurden in allen SS-Einheiten Ic-Abteilungen eingerichtet.
Heydrich gelang es, dass die Münchener Polizei immer weniger aus der SS erfuhr. Am 1. Dezember 1931 wurde Heydrich deshalb zum SS-Hauptsturmführer befördert. Heydrich begann ein dichtes Spitzelnetz aufzubauen. Dabei konkurrierte sein Dienst mit ähnlichen Diensten der NSDAP. Die Ansicht, dass die NSDAP einen einheitlichen Block bildete, ist ein Irrtum. Die verschiedenen Organisationen der Nazis kämpften stets gegeneinander, um an Macht zu gewinnen.
Der Nachrichtendienst der SA war der größte Gegner Heydrichs. Der SD beschäftigte zu dieser Zeit nur 30 Personen. Doch Heydrich sorgte dafür, dass sein SD immer einflussreicher wurde.
Himmler und Heydrich waren in München, als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 ihre Machtübernahme feierten. Beide begannen sofort mit dem Aufbau der Politischen Polizei in Bayern. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar erließ Hitler eine “Notverordnung zum Schutz des deutschen Volkes”. Sie bildete die juristische Grundlage für die erste große Verhaftungswelle im Deutschen Reich. In Bayern wurden hunderte politische Gegner, vor allem Kommunisten verhaftet. Heinrich Himmler errichtete deshalb in Dachau ein Lager, das Heydrich als Konzentrationslager bezeichnete. Der organisierte Mord begann.
Als bayrische Staatsanwälte in Dachau ermittelten, wurden sie von Heydrich so eingeschüchtert, dass sie die Ermittlungen einstellten. Heydrich wollte für Deutschland eine zentralisierte Polizei unter dem Kommando der SS. Ein Jahr später war es ihm und Himmler gelungen. Ihr Gegenspieler Hermann Göring gab den Widerstand auf. Himmler wurde am 20. April 1934 Chef des Geheimen Staatspolizeiamts. Heydrich wurde sein Stellvertreter. Am 6. Juni 1934 wurde Heydrichs Sicherheitsdienst (SD) zum einzigen Geheimdienst im Reich.
Foto:
Reinhard Heydrich. Quelle: Bundesarchiv; Signatur: Bild Bild 183-R98683. Fotograf: keine Angabe Originaltitel:Zentralbild 28.8.1940 SS- Gruppenführer Heydrich, Präsident der Intern. kriminalpolizeilichen Kommission. Der Chef der Sicherheitspolizei und der Sd, SS- Gruppenführer Heydrich, hat die Leitung der Internationalen kriminalpolizeilichen Kommission als deren Präsident übernommen.
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