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Hammurabi : Herrscher über Babylon
Rechtsprechung
Die Herrscher Altbabylons sahen das bedrohlicher werdende Problem der steigenden Verschuldung von Bauern und Handwerkern. Damit die Funktionsfähigkeit des Staates erhalten blieb, wurden Gesetze erlassen, die diese Missstände bekämpfen sollten.
So gab es bei Amtsantritt eines neuen Herrschers oft Schuldenerlasse, um die Bevölkerung günstig zu stimmen.
Erste Gesetzessammlungen
Zu den ersten Gesetzessammlungen gehörte die des König Ur-Nammu aus der Ur-III-Zeit. Die ersten babylonischen Gesetze stammten aus der Zeit des Herrschers Lipit-Ischtar (1934-1924 v. Chr.)
Die Gesetze bestanden aus einem Prolog, der den jeweiligen Herrscher lobte und dessen Politik zum Wohlergehen des Landes. Ein Teil dieser Gesetzessammlungen ist erhalten geblieben.
Bekannt sind Bestimmungen zur Schiffsmiete, zur Pacht und familienrechtliche Gesetze. Die “Paragraphen” regelten auch Details des alltäglichen Lebens. So ist eine Bestimmung überliefert worden, die bestimmte, dass derjenige, der einen Baum in einem fremden Garten fällte, eine erhebliche Geldbuße zahlen musste.
Eine weitere babylonische Gesetzessammlung entstand kurz vor der Regierungszeit Hammurabis in der Stadt Eschnunna.
Hier wurden Höchstpreise für bestimmte Dinge des täglichen Bedarfs festgesetzt. Damit sollten die steigenden Preise gebremst werden. Diese Gesetze regelten auch Mieten und Löhne, sowie familienrechtliche Angelegenheiten.
Die Begrenzung von Zinsen für Gerste und Silber wurde hier eingeführt, die dann auch Hammurabi in seiner Gesetzessammlung übernahm.
Ausserdem wurde die Gerichtsbarkeit geregelt. Prozesse auf Leben und Tod wurden vor dem König verhandelt.
Alle anderen Prozesse wurden von den Richtern in Eschnunna verhandelt.
Gesetze Hammurabis
Historiker fanden zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Ruinen von Ninive, der ehemaligen Hauptstadt der Assyrer, eine große Tontafel-Bibliothek. Unter den Texten fanden sich auch Abschriften der Gesetze Hammurabis, die über 1000 Jahre hin archiviert bzw. immer wieder kopiert wurden.
Einen weiteren Hinweis auf diese Gesetzessammlung fand man 1901-1902 in Susa. Bei Ausgrabungen fand man eine über zwei Meter hohe Stele, auf der die Gesetze eingemeißelt waren.
Der Text umfasst 282 Paragraphen, wobei man darunter keine numerische Aufzählung verstehen darf, wie wir sie heute kennen. Der erste Herausgeber, der die Texte nach dem Auffinden veröffentlichte, hatte die einzelnen Abschnitte, die mit “Wenn...” begannen, einfach durchgezählt.
Es wurden auch noch andere Dokumente mit Gesetzen Hammurabis gefunden, so dass die eigentliche Zahl der “Paragraphen” umstritten ist.
Ungewiss ist auch, in welchem Regierungsjahr Hammurabis die Gesetze erlassen wurden, einiges deutet darauf hin, das es in seinen letzten Regierungsjahren geschah.
Wie bei älteren Gesetzessammlungen bestand auch dieser Text aus Prolog, Gesetzen und Epilog. Der Prolog würdigte die Leistungen und Wohltaten des Herrschers. Im Epilog wurde auf die Gerechtigkeit des Königs hingewiesen, und er empfahl darin seinen Nachfolgern, diese Gesetze im Sinne Hammurabis zu befolgen. Sollte ein Herrscher diesen Hinweis ignorieren, sollte dieser verflucht sein.
Ob das Werk Hammurabis in der täglichen Rechtspraxis nach seinem Tod angewandt wurde, ist umstritten. Manche Historiker vermuteten, dass die einzelnen Paragrafen eigentlich der täglichen Rechtspraxis entstammten, andere betrachteten den Codex Hammurabi als ein eher theoretisches Werk, das keinen Einzug in die Praxis hatte.
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